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Im deutschen Reich · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. 218

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
[Ohne Titel]
Date
1914-05-01
Page
218 (sequence 1)
Language
German
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218 Fm deutschen Reich. — Am 12. März d. I. hat in Steele eine CenLralvereins- Versammluna stattgefunden, in der Herr Rechtsanwalt Dr. Herzfeld aus Essen über „wirtschaftlichen Antisemitismus" und Herr Rechtsanwalt GoLLschalk, Essen, über „Die Stellung der Juden im deutschen Heere" sprach. Beide Referenten ernteten lebhaften Beifall. Nachdem der Vertrauensmann, Herr Tabakfabrikant S. ^Leru, auf die Notwendigkeiten einer finanziellen Anterstützung des Centralvereins durch alle deutschen Juden hingewiesen hatte, erfolgten neue MiLglieder-Anmeldungen und Beitragserhöhungen seitens bisheriger Mitglieder. — In Gollnow haben Herr Rabbiner Dr. Wiener',, Stettin, und Herr Rechtsanwalt Rudolf Witkowski, Stettin, am 15. März eine Propagandaversammlung abgehalten und einen Ortsverband begründet, zu dessen Vorsitzenden Herr A d o l f Glasfeld gewählt wurde. — Die in der von den Herren Rechtsanwälten Dr. Ibra h a m s o h n und Dr. M a r c u s e aus Stettin am 21. März in Vyri tz, abgehaltenen Versammlung Anwesenden waren fast sämtlich bereits Mitglieder des Vereins, deren Interesse an der Vereinssache aber durch die Vorträge in dankenswerter' Weise gesteigert wurde. — Die OrtsgruppeWilmersdorf-SLeglitz-Friebcnau veranstaltete am 17. März b. I. einen Vortragsabend, in welchem die Herren Rabbiner Dr. h o ch f e l d und Syndikus Dr. Holländer referierten. Herr Rabbiner Dr. Hochfeld gab in seinen Ausführnngen eine eingehende Charakteristik unserer Gegner. Er führte aus, daß die Hauptgründe der heutigen judengegnerischen Bewegung in Gesichtspunkten der Tradition und der Wirtschaft zu finden seien. Ererbtes Vorurteil und Konkurrenzneid wurden in ihren Grundlagen und in ihren Folgeerscheinungen beleuchtet. Dabei hob der Redner im besonderen Mähe das Moment der Notwendigkeit der Arbeit der deutschen Juden an sich selbst hervor und verknüpfte die nach außen wirkenden Erscheinungen in sorgfältig abgewogener Weise mit den Forderungen, welche den Juden die Selbsterziehung auferlegt. Neben die Haupterscheinungen der Begründung der Iudengegnerschaft in Tradition und wirtschaftlichen Gesichtspunkten stellte der Redner zwei in das Volk künstlich eingepflanzte Erscheinungsformen der Gegnerschaft gegen die Juden, nämlich den angeblich nationalen und den angeblich religiösen Gegensatz. Sr wies darauf hin, daß beide Momente an sich dem Volke fremd seien und daß sie nur durch künstliche Agitation in die Seele der Massen hineingetragen wurden. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen, denn sein klarer Aufbau und die leidenschaftslose Behandlung des Stoffes waren besonders geeignet, das Interesse der Zuhörer zu wecken und zu. heben. Herr Rechtsanwalt Dr. Holländer brachte praktische Ergänzungen zu den Ausführungen des Redners. Hatte Dr. Hochfeld im wesentlichen die Grundlagen zur Erkenntnis des zu bekämpfenden Hebels gegeben, so setzte Herr Dr. Holländer .an Hand praktischer Beispiele diejenige Tätigkeit auseinander, die sich in der politischen und wirtschaftlichen Arbeit besonders bewährt hat. — Die von Herrn F r i ed lä n d er geleitete Versammlnna brachte dem Centralverein einen erheblichen Mitgliederzuwachs. — Nach langen Versuchen scheint es nun auch in Neukölln gelungen zu sein, neuen Boden zu gewinnen. Diesem Zweck diente eine am 18. März veranstaltete Versammlung, die von etwa 150 Personen besucht war. An Stelle des durch wichtige BerufsgeschäfLe verhinderten Syndikus Dr. Holil ä nb e r hatte Herr Gerichtassessor Dr. R a h m e r -- Berlin das

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