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Im deutschen Reich · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. 215

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
[Ohne Titel]
Date
1914-05-01
Page
215 (sequence 1)
Language
German
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Versammlungsberichie. 215 — Am 19. Februar d. I. veranstaltete die Berliner Ortstzruppe ^0 unter Leitung des Herrn Dr. Toby Cohn eine Versammlung, in der Herr Lehrer Becker, Wollstein, der seinerzeit in unserer Zeitschrift den Aufsatz „W i r t s ch a f t l ich er Zweckverband für d i e. I u d e n der Ostmark" veröffentlicht hat, einen Vortrag über „Die Zukunft des oft mär tischen Judentums, insbesondere der Posenschen Jude n" vor einer zahlreichen Zuhörerschaft hielt, unter welcher sich viele Mitglieder aus der Provinz Posen befanden. Der Vortragende sprach zunächst über die Menschheitsideale „Glaube und Heimat", wies dann auf die außerordentlichen Opfer hin, welche die Juden aller Zeiten und aller Völker für diese Ideale gebracht 'haben, insbesondere in der Neuzeit die Juden der Ostmark. Eine Folge dieser ungeheuren Opfer und damit einer der wichtigsten Gründe für diese ist die Abwanderung unserer Glaubensgenossen nach den Großstädten, insbesondere nach Berlin. Eine Reihe statistischer Angaben über die Abwanderung seit dem Jahre 1895 folgte, die sowohl für den gesamten Rückgang der jüdischen Bevölkerung in der Ostmark wie für die Abnahme in den Städten, für den Prozentsatz im Hundert der Bevölkerung von außerordentlichem Interesse ist. Der Vortragende berechnete u. a., daß. im Jahre 1940 unter Zugrundelegung des gegenwärtigen Prozentsatzes der Abwanderung und der allgemeinen Bevölkerungsbewegung auf 109 Bewohner der Städte nur ein Jude kommen wird. Der Vortragende wies dann auf die bedenklichen Folgen hin, welche ein so ungeheures Zusammendrängen der Juden in den Großstädten, insbesondere in Berlin, haben muß. Aber auch die sozialen Folgen für die Juden, die in der Ostmark Zurückbleiben, ihr Verhältnis zu den Behörden, die Bewertung unserer Glaubensgemeinschaft bei den Andersgläubigen, vor allem aber die Gefahren für den Bestand des Judentums, dessen religiöse Führer, hervorragende Gelehrte, führende Männer im Handel und der Industrie zum großen Teile der Ostmark entstammen, wurden ins rechte Licht gesetzt. Der Redner ging dann noch auf andere Ursachen der Abwanderung ein, betonte aber, daß die wirtschaftlichen Sorgen stets die Hauptursachen der Abwanderung seien. Im zweiten Teil des Vortrages wurden die bisherigen Versuche, die Abwanderung einzudämmen, geschildert und die Vorbereitungen zur Schaffung einer wirtschaftlichen Auskunftsstelle, bei denen sich der Centralverein ganz besonders hervortat, mitgeteilt. Im dritten Teil des Vortrages wurden die vorläufig festgestellten Punkte des Arbeitsprogramms einer solchen Auskunftsstelle erörtert und weitere Mittel, einerseits zur Besitzbefestigung der Juden in der Ostmark, andererseits zur Fernhaltung des Zuzuges in die Großstadt, empfohlen, hier fanden auch die bisherigen Einwände gegen die Schaffung einer solchen Einrichtung sowie die Zweifel an der Möglichkeit des Gelingens ihre Widerlegung. Mit einer Aufforderung an die Zuhörer um Unterstützung des Planes, der in die Mahnung ausklanq: „Schützen Sie unseren Glauben! Schützen Sie unsere Heimat!" schloß der Redner, dem Herr Dr. Tobh Cohn im Namen der Versammlung herzlich dankte. — In der am 19. Februar von der Ortsgruppe Kreuznach veranstalteten, gut besuchten Mitgliederversammlung wurden als Vorstandsmitglieder Herr Rabbiner Dr. Tawrogi und Herr Earl Brück wiedergewählt und Herr Dr. med. Julius Kullmann neugewählt. Die Beschlußfassung über den Anschluß an den Landesverband Pfalz wurde vertagt, für die bevorstehenden Kauf- :manusgerichtswahlen aber ein Agitationsausschuß eingesetzt.

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