Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 185 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 185 Reichsgerichtsverhandlung aufrecht zu halten, in der die Gefängnisstrafe gegen D r. Pudor wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft bestätigt wurde! — Herr Philipp SLauff, der Herausgeber des antisemitischen „Semi-Kürschner", hat gegen den Redakteur der Ln Marburg erscheinenden „Hess. Landeszeitung" Becker wegen einer freimütigen Kritik des von Anrichrtigkeiten und Widersinnigkeiten strotzenden Machwerks Beleidigungsklage angestrengt, aber sich dadurch nur eine gründliche Niederlage zugezogen. Das Schöffengericht sprach den Beklagten frei, legte 'dem Privatkläger Staufs die Kosten des Verfahrens auf und begründete das Urteil durch die Erklärung, daß eine Einsicht in das Buch das Gericht davon überzeugt habe, der Verfasser der Kritik in der Hessischen Landeszeitung sei in seinen Ausführungen keineswegs über das berechtigte Maß hinausgegangen. Der Semi-Kürschner „stehe auf einem b e d a u e r n s - werten geistigen Niveau" und fei ein Seitenstück zu dem „Semi-Gocha", wo „in der schmutzig st en Art Förderer unseres deutschen Vaterlandes in ihren Verdiensten herabgesetzt werden." * Frankfurt a. 21t, 4 März. Unter der Ueberschrift „Protest deutscher Studenten gegen den Hammerbund" bespricht Walter Hasenclever in der „Frankfurter Zeitung" die Tatsache, daß der „Hammerbund" unter den Studierenden einen antisemitischen Aufruf „zur Befreiung von der fürchterlichen Schmach einer geistigen und wirtschaftlichen Fremdherrschaft" verbreitete und bemerkt dazu- „Man braucht den Unsinn nicht weiter zu kommentieren, Erfreulich aber ist es, daß deutsche Studenten anders denken, und so eröffnete der junge Frhr. Hans-Adalbert v. Maltzahn, der Neffe des Kronprinzen-Erziehers, einen Protest an der Leipziger Universität, den viele dort Studierende unterschrieben haben: „Wir protestieren gegen die Zumutung, uns einer so tiesstehenden Auffassung eines Kampfes für unsere Ueberzeugungen anzuschließen, wie sie der Reichshammerbund durch seine Flugblätter propagiert." /X Colmar, 1. März. Die israelitische Kultusgemeinde Colmar hat am 21. Februar das fünfzigjährige Amtsjubiläum ihres Oberrabbiners Isidor Weil festlich begangen. In der bekränzten Synagoge sprachen der Vertreter des Bezirksp residenten, Geheimrat Hertz, der Präsident des israelitischen Konsistoriums des .Oberelsaß, Manheimer, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Kaufmann Wormser, und der Vertreter des Rabbinerkollegiums, Oberrabbiner Levy-Mülhausen, dem Jubilar den Dank für seine Wirksamkeit aus. Am Abend fand im Restaurant Bloch ein Festmahl statt. Der Centralverein, der den Vorzug hat, den Jubilar zu seinen Mitgliedern zu zählen, bekundete feine Teilnahme an dieser Jubiläumsfeier durch ein herzliches Glückwunschschreiben. x Haigerloch, 12. März. In dem Zuge der „Zollerbahn" von Tübingen nach Sigmaringen am 10. Februar d. I. fanden israelitische Handelsleute in allen Wagenabteilen und Aborten Zettel folgenden Inhalts: „Augen auf, deutscher Michel! Fortgesetzt wirst du belogen und betrogen durch das fremdrassige Hebräertum. Zwei Drittel des deutschen Nationalvermögens und der größte Teil der deutschen Presse ist in seinen Händen. Kaufe nichts von Inden! Meide jüdische Aerzte unö Rechtsanwälte. Denke an die Zukunft der ner Kinder.