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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 176

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Die Pfälzer Tagung
Date
1914-04-01
Page
176 (sequence 2)
Language
German
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176 Im deutschen Reich. Herr Rechtsanwalt Dr. Kehr als Vorsitzender der Ortsgruppe Kaiserslautern und Herr Rentner Jakob Thalheimer als Vorstand der dortigen Kultusgemeinde, die imposante Versammlung. Hieraus sprach der erste Referent, Herr Dr. med. Lewy - Freiburg) über „Der deutschen Juden Kampf um's Recht". Ausgehend von dem Toleranzgesetz vom 3. Juli 1869, das gleiche Behandlung aller Staatsbürger ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses zusicherte, besprach er den Ausschluß bzw. die systematische Zurücksetzung der deutschen Juden um ihres Glaubens wegen in den meisten staatlichen Aemtern, in der Staatsverwaltung) im mittleren und höheren Schuldienste, im Heer, sowohl bei der Besetzung der Offiziers-, als auch der Sanitäts-Offiziersstellen usw., und schilderte, dann den mit diesen Zurücksetzungen zusammenhängenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Antisemitismus. Der Redner wies hierauf die Angriffe auf die jüdische Religion zurück und legte die Haltlosigkeit des „Rasseschwindels" dar. Der Vortrag schloß mit den hoffnungsvollen Worten. „Für uns gibt es nur eine Lösung der Iudenfrage in unserem deutschen Vaterlande, in dem unsere Vorfahren geboren sind, dessen Kultur die unsere ist, für dessen Einheit auch unsere Väter gestorben sind, und das wir lieben: Wir vertrauen auf die Macht des Rechts und der Gerechtigkeit, die doch einst siegen muß und siegen wird. Bis dahin wollen wir unermüdlich arbeiten und kämpfen. — Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen des Referenten. Sodann ergriff Frau Henriette Fürth -Frankfurt a. M. das Wort zu ihrem Vortrag über „Die Stellung der Frau im Emanzipationskampfe der deutschen Juden". In längerer, oft durch ernste und heitere Anekdoten unterbrochener Rede wies die bekannte Vorkämpserin der Frauenbewegung vor allem auf die Pflichten der deutschen jüdischen Frauen hin. Der ebenfalls anhaltenden Beifall erzielende Vortrag gipfelte in der Mahnung an die Frauen, sich bei dem guten Kampfe um das Recht als Mitstreiterinnen zu erweisen. In der sich anschließenden freien Aussprache ermahnte Herr Lehrer Epstein alle Anwesenden, in ihren Kreisen für die Ideen und Bestrebungen des Centralvereins zu arbeiten und zu werben. Nachdem noch der Syndikus Herr Dr. Holländer in begeisterten Worten die Pfalz und den großzügigen Geist ihrer Bewohner gefeiert hatte, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche auf Wiedersehen bei der nächstjährigen Tagung in Pirmasens.

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