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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 174

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Stimmungsbild vom Pfälzischen Landesverbandstage
Date
1914-04-01
Page
174 (sequence 2)
Language
German
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174 Im deutschen Reich. wir unser Endziel Ä aif et § lautern erreicht hatten, war der Zug überfüllt, und kaum ein Städtchen der bayerischen Pfalz und ihrer Nachbargebiete bis hinauf nach Kreuznach blieb unvertreten. Pünktlich um 10 Ühr konnte der Vorsitzende des Landesverbandes, Mathematiker Koburger aus Ludwigshafen, die erschienenen Vertrauensmänner begrüßen und den Jahresbericht erstatten. Die Darlegungen des rührigen Schriftführers, Sr. Kehr-Kaiserslautern, sowie des Landrabbiners Sr. S traß b ur ger-Hoppstadten legten beredtes Zeugnis davon ab, wie eifrig in der Pfalz an dem Ausbau unserer Organisation gearbeitet worden ist und welch vortreffliche Ergebnisse die geschickt geleitete Propaganda zu verzeichnen hat. Gab es doch Orte, in denen die Zahl der Mitglieder 100 °/o der Steuerzahler bei weitem überschritten hat, d. h. neben sämtlichen Zensiten waren auch vielfach Frauen und noch nicht Selbständige unserer Sache gewonnen worden. lieber diese erfreulichen Ergebnisse wird niemand erstaunt sein, der beobachten konnte, welch hingebungsvoller Eifer, ja man darf ohne Aebertreibung sagen, welche Begeisterung nicht nur die Vorstandsmitglieder des Verbandes, sondern auch alle Ortsgruppenvertreter und Vertrauensmänner für unfern Kampf ums Recht beseelt. Das ist um so anerkennenswerter und nachahmungswürdiger, als die Bewohner der Pfalz, wie die Aussprache auf der Tagung ergab, im allgemeinen unmittelbar nicht schwer unter dem Antisemitismus zu leiden Haben. Als bei dem gemeinsamen Mittagsmahl nach den Verhandlungen, über deren sachlichen Verlauf an anderer Stelle berichtet wird, der beredte Mund des Rabbiners von Kaiserslautern, Dr. Weil, der herrschenden Stimmung einen alle Teilnehmer geradezu erhebenden Ausdruck verlieh, als er in feinen begeisterten und begeisternden Worten neben unsere Mutter Religion den Vater Centralverein stellte, da war des Jubels kein Ende. Diese Helle Begeisterung für unsere Sache in die öffentliche Versammlung, die von über 500 Männern und Frauen besucht war, zu übertragen, fiel bei einem so sorgsam vorbereiteten Boden nicht schwer, so daß die Veranstaltung, deren Teilnehmer von dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde Kaiserslautern, Jacob Thalheimer, mit warmen Worten der Sympathie begrüßt wurden, uns einen höchst erfreulichen Zuwachs an neuen Mitgliedern brachte. Bei dem allgemeinen Eifer und insbesondere bei dem opferfreudigen Wirken des Mathematikers Koburger und des Dr. Kehr werden alle Glaubensgenossen der bayerischen Pfalz mit mathematischer Sicherheit bald bekehrt und unserer Sache gewonnen fein. Exemplum doceat! Dr. I. L.

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