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Im deutschen Reich · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. 141

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Die Mischehe in Religion, Geschichte und Statistik der Juden [Rezension]
Date
1914-03-01
Page
141 (sequence 2)
Language
German
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Vücherfcham 141 Die Mifchehenfrage greift, wie Maretzki im Vorworte des trefflichen Büchleins hervorhebt, am tiefsten in die Familie ein und bedroht erfahrungsgemäß, den Bestand der jüdischen Gesamtheit. Tänzer behandelt vorwiegend vom theologischen Gesichtspunkte aus dieses wichtige Problem. Er betrachtet zunächst die Stellung des Beligionsgesetz.es zur Mischehe und kommt aus Grund der Quellen zu dem Ergebnis, daß die Stellung des überlieferten Judentums eine vollständig ablehnende sei. Der Grund liegt in der Befürchtung, die eigene Religion durch das Eindringen der Mischehe zu schwächen. An der Hand der Geschichte weist er nach, daß diese Befürchtung berechtigt ist. Mit besonderer Ausführlichkeit werden die gegenwärtigen Zustände — durch reichliches Material unterstützt — geschildert. Den Schluß bildet ein Versuch, die Gründe für die Eingehung der Mischehe aufzudecken, und der Hinweis auf die Gefahr, welche sie für die Existenz des Judentums bedeutet. Die anregend geschriebene Abhandlung verdient ernste Beachtung und Verbreitung in den weitesten Kreisen. S. Rabbi Akiba unö seine Zeit. Von Rabbiner Dr. Leopold Stein-Dresden. Verlag von Louis Lamm, Berlin 1913. Preis gebunden 1,80 M. Von antisemitischer Seite sind die Gesinnungen, welche die talmu» dische Denkweise zu erzeugen vermag, so oft verdächtigt und h^erabgewürdigt worden, daß es als eine dankenswerte Aufgabe angesehen werden wirst, an hervorragenden Beispielen zu zeigen, daß diese Denkweise in hohem Grade geeignet isst veredelnd zu wirken und zu verehrungswürdigem Wesen und Handlungen zu veranlassen. Der Verfasser der Schrift „Rabbi Akiba und seine Zeit" hat diese Aufgabe durch das auf erschöpfende Studien gegründete Lebensbild eines Mannes zu lösen gestrebt, der am meisten zu der Entwicklung der jüdischen Lehre, die 'später im Talmud kodifiziert wurde, beigetragen und im Leben und Sterben gezeigt hast zu welcher geistigen und sittlichen Höhe dieses heute noch so vielfach verkannte und verleumdete talmudische Studium den echten Charakter heranbilden kann. Was Akiba als unermüdlicher Schüler war, dann aks Lehrer der Weisheit . leistete, als Kämpfer und als ^Märtyrer mit Treue, Mut und Standhaftigkeit bewährt hat, ist!von dem Verfasser so empfindungsvoll dargestellt, daß sein Buch sehr geeignet ist, auf die Heranwachsende jüdische Jugend erziehlich und segensreich zu wirken. A. L. Der Akeschumnreö. Novelle von Isidor Borchardt. Sonderabdruck aus dem Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, Berlin 1914. Schon lange bevor man das Thema des Taufjudentums von der rein verstandesmäßigen Seite her behandelte, hat sich die Dichtung dieses dankbaren Stoffes bemächtigt. Fast unübersehbar sind in der neueren jüdischen Belletristik die mehr oder weniger gelungenen Versuche, die Psyche des Taufjuden zu ergründen, seine innerlichen Konflikte in ihrer tiefen Tragik zu erfassen und vornehmlich die Gegensätze zwischen glaubenstreuen Eltern und abgefallenen Kindern zu verwerten. Bei nur allzuvielen solcher Tendenzdichtungen kann man freilich einzig und allein eben die lobenswerte Tendenz anerkennen, da sich in ihnen recht häufig ein unangenehmes Gemisch von falschem Pathos, verlogener, süßlicher Sentimentalität und mangelnder Erfindungsgabe für Dichtung ausgibt. Eine erfreuliche Ausnahme macht nun die vorliegende Novelle von Borchardt. In schlichter und doch eindringlicher Sprache weiß er seine lebensechten Kleinstadttypen mit ihren Fehlern und Vorzügen, ihren borgen und Hoffnungen unserem Verständnis und unserem Empfinden nahezubringen, Die anspruchs-

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