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Im deutschen Reich · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. 136

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Steckbriefe
Date
1914-03-01
Page
136 (sequence 2)
Language
German
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136 Im deutschen Reich. hat mir, wie ich es vorausgesehen habe, erklärt, daß er zunächst den Erlaß des Steckbriefes verfügt und hinterher, wie es die Regel bildet, den ausgefüllten Steckbrief unterschrieben habe, ohne seinerseits die im Bureau ausgefüllte Personalbeschreibung durch gelesen zu haben. Herr , . . bezeichnet es als selbstverständlich, daß er, wenn er die Steckbriefe durchgelesen hätte, was er in Zukunft tun Wird, sie abgeändert haben würde, und bedauert, daß sie in der Form wie geschehen zur Veröffentlichung gelangt sind. Jede Absicht, Mitbürger jüdischen Glaubens zu kränkenhabe ihm völlig fern gelegen. Herr . . . hat mich gebeten, Ihnen dies mitzuteilen. Ich, entspreche dieser Bitte in der Hoffnung, daß damit diese an sich bedauerliche Ängelegenheit als aufgeklärt gelten darf. & Herford, 12. Februar. Im R e i ch s L a g s w a hl k r ei s e Herford ist seit einiger Zeit in verschiedenen konservativen Versammlungen bei Angriffen auf den Liberalismus zugleich ein wüster R a d a u a n t i s e m i t i s m u s getrieben worden. Um gegen die verhetzende und entstellende Kampfesweise der Konservativen Stellung zu nehmen, hatte die Freisinnige Volkspartei für den 8. Februar eine große öffentliche liberale Volksversammlung nach Herford einberufen. In der Versammlung, die von etwa 2000 Personen — darunter auch zahlreichen Angehörige anderer politischen Parteien — besucht war, sprachen die Herren Landtagsabgeordneter Pfarrer Traub, Reichstagsabgeordneter Landwirt Krämer und Rechtsanwalt Dr. Holländer, Berlin, und beleuchteten unter stürmischem Beifall der Versammlung die Fehler der konservativen Politik. Pfarrer Traub und Dr. Holländer unterzogen auch die antisemitsichen Ausfälle der Konservativen einer herben Kritik. Pfarrer Traub wandte sich besonders gegen die „Prämie", die der Staat den Taufjuden erteilt, während Dr. Holländer die antisemitischen Anwürfe im einzelnen einer eingehenden Kritik unterwarf und sie widerlegte. Am Schlüsse wurde unter stürmischem Beifall einstimmig eine Resolution angenommen, in der freiheitlicher Ausbau der Gesetzgebung und Verwaltung, Einführung der geheimen, direkten und gleichen Wahl für Preußen gefordert und nachdrücklich Einspruch gegen die Herabsetzung der israelitischen Mitbürger erhoben wurde. X Frankfurt a. 3TL, 12. Februar. Eine Abordnung des Krieger Vereins Worms, dessen Mitbegründer und erster Vorsitzende der vor zwei Jahren verstorbene Hauptmann d. L. a. D. Gernsheim war, traf gestern, an seinem Todestage, in Frankfurt ein, um an seiner Ruhestätte auf dem israelitischen Friedhofe zum ehrenden Gedächtnis einen Kranz niederzulegen. Vorstandsmitglied Feth hielt die Gedächtnisrede. Gernsheim war einer der letzten Offiziere jüdischen Glaubens der Großh. Hessischen Division, der sich im Deutsch-Französischen Kriege 1870/71 ebenso wie die Leutnants Homberger (Inf.-Rgt. 116), Ettling (Fnf.-Rtg. 117) und Neustadt (Inf.-Rtg. 117), alle jüdischer Konfession, ausgezeichnet hat.

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