Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Im deutschen Reich. preußischen AbgeordneLenhause zur Sprache zu bringen. Der Inhalt der durchaus ablehnenden Erklärung des Ministers des Innern hat uns Veranlassung gegeben, weitere Schritte in Erwägung zu ziehen. Nach deren Erledigung wird der gesamte Tatbestand in unserer Zeitschrift veröffentlicht werden. & — LanögerichLspräsröenL: Der bisherige Oberlandesgerichtsrat Dr. Ra LH an Stein in Karlsruhe ist zum Präsidenten des Landgerichts Mannheim ernannt worden, der erste Jude, der in Deutschland ohne Verleugnung seiner religiösen Weberzeugung Präsident eines Gerichts wurde. Br. Nathan Eüein wurde vor 56 Jahren in Neckarsulm geboren, 1883 nach Ablauf seiner Praktikantenzeit zum Amtsrichter ins Sinsheim ernannt, ein Jahr später nach Gngan versetzt, 1886 nach Mannheim und 1889 zum Oberamtsrichter ernannt. 1892 kam er als Landgerichtsrat nach Karlsruhe, wo 1900 seine Ernennung zum Oberlandesgerichtsrat erfolgte. Seit 1904 ist Dr. Stein Mitglied des KompetenzgerichLshofes, seit 1909 ständiger Ersatzrichter beim Verwaltungsgerichtshof. Außerdem ist er Mitglied des Disziplinarhofes für nrchtrichterliche Beamte. Für unsere Kreise ist es von besonderem Interesse, daß er seit der Begründung der „Vereinigung badischer Israeliten", die seit Jahren den Landesausschuß des Eentralverei ns deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens für das Großherzogtum Baden bildet, dem Vorstand dieser Vereinigung angehört. & — wie Märchen entstehen! Am 9. November 1913 brachte der Myslowitzer Anzeiger einen Bericht über eine Zentrumsversammlung, in der Herr Rechtsanwalt Dr. H e r s ch e l aus Breslau einen Vortrag gehalten hatte. Wörtlich heißt es dabei in Der Wiedergabe der Rede des Herrn Dr. Herschel: „In Gleiwitz habe sichein jüdischer Liberaler sogar die Drei st igk e i t erlaubt, daß er sagte: „T a u f w a s s e r macht dummr Da wir selbstverständlich eine derart taktlose Aeußerung, welche die religiösen Gefühle unserer andersgläubigen Mitbürger zu verletzen geeignet war, außerordentlich bedauerten und verurteilten, bemühten wir uns, die betreffende jüdische Person ausfindig zu machen, um gegen sie energisch Vorgehen zu können. Wir wandten uns darum direkt an Herrn Dr. Herschel, der zwar Aber den Urheber keine Auskunft geben konnte — er hatte jene Worte nur von anderer Seite gehört —, der uns aber bereitwilligst die Wege wies, auf denen vielleicht etwas festgestellt werden könnte. Wir ,sind allen diesen Spuren sorgsam nachgegangen, leider aber ohne jeden Erfolg. Entweder hatten die befragten Personen von der Aeußerung nur in der Zeitung gelesen, oder sie gaben uns überhaupt keine Antwort! Trotz eifrigster Bemühung ist dieser „jüdische Liberale" nicht aufzufinden gewesen. Es dürfte demnach feststehen, daß. diese angebliche Aeußerung einfach eine frivole Erfindung st, wie sie ja leider in hitzigen Wahlkämpfen nicht selten Vorkommen.