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Im deutschen Reich · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. 116

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1914-03-01
Page
116 (sequence 2)
Language
German
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116 Im deutschen Reich. srellung aller ethischen, und logischen Gesichtspunkte, „eine noch wenig erkannte Gefahr für den geistigen Fortschritt des Menschengeschlechts liegt". Auf diese gefährliche Strömung ist es zurückzuführen, daß, wir als Juden mehr als je auf die Selbstverteidigung unserer Gleichberechtigung angewiesen sind. Erweisen sich doch! bei genauer Prüfung selbst sonst freiheitlich gesinnte und dem politischen Krebsgang abholde Kreise so von des Rassentheorie-„Gedankens Blässe angekränkelt", daß sie es zwar als Beleidigung ansehen, als Antisemiten angesprochen zu werden, aber bewußt oder unbewußt rückschrittliche Bestrebungen fördern, sobald diese durch die deutsch-nationale Flagge eingehüllt sind. Zu diesen Kreisen scheint offenbar der Allgemeine deutsche Vurscbenbund zu gehören, der bisher in seinen eigenen Reihen und innerhalb der Studentenschaft den Antisemitismus insoweit bekämpft hat, als dieser dem Hauptziele des Bundes, „der Mitarbeit an der inneren Einigung des deutschen Volkes", entgegenstehL. Nun sollte man meinen, daß jede Mitarbeit an der inneren Einigung des deutschen Volkes mit einer politischen Tätigkeit identisch fetr wie die Förderung judengegnerischer Bestrebungen unvereinbar ist mit der unpolitischen Tendenz des allgemeinen deutschen Burschenbundes. Trotzdem hat dessen offizielles Organ, die „A. D. B.-Z eitschrif L", im verflossenen Jahre einen von einem Alten Herrn der Reformburschenschaft verfaßten Artikel „Von deutsch-nationaler Art" veröffentlicht, der eine Lobhymne dem „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband" widmet und aus der PropagandaschrisL dieses bekanntlich scharf-antisemitischen Verbandes die falschen Angaben kritiklos wiedergibt. Bemerkenswert ist besonders die Wiedergabe der folgenden Stelle aus der Propagandaschrift des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes: „Diese (geistige AufwärLsentwicklung) kann nur im Anschluß an die lebendigen, Kräfte unseres deutschen Volkstums erreicht werden, und gerade sie sind gefährdet in einem Stande, der eine überwiegende Anzahl fremdrassiger Menschen in sich enthält. In Oesterreich, wo das Gefühl für völkische Eigenart stark entwickelt ist, sah sich sogar der liberale Reichenberger Handlungsgehilfen-Verband genötigt, die Juden auszuschließen, weil die Deutschen ihm sonst ganz davongelaufen wären. Exempla docent." Daß der akademische Verfasser der „Lobhymne" von diesen Anschauungen nicht durchaus abrückt, scheint daraus hervorzugehen, daß er von der Reformburschenschaft sagt: „Wir nehmen zwar in der Iudenfrage eine andere Stellung ein; dies soll uns aber nicht hindern, anzuerkennen, daß die anderen Verhältnisse, in

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