Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Soziale Ethik im Judentum [Rezension]
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 87 (sequence 2)
- Language
- German
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Büch erschau. 87 unseren Reihen eine übertriebene Selbstkritik den Ausdruck gerechten Stolzes oft für Selbstbeweihräucherung ansieht, ist es eine Erquickung, diese aus warmem jüdischen Empfinden und doch objektiv geschriebenen Aufsätze zu lesen, deren Wahrheit uns stolz macht. Dem Buch ist darum weiteste Verbreitung in christlichen wie in jüdischen Kreisen zu wünschen. Die vornehme Art, dic jede Polemik vermeidet, und die schöne Ausdrucksweise der Aussätze machen sie auch zu einem durchaus tauglichen Bildungsmittel für die reifere Jugend. Felix Goldmann. Ringende Gewalten. Lin Posener Ghetto-Roman aus der Zeit des siebenjährigen Krieges. Von I. Herzberg in Bromberg. Verlag von Hermann Costenoble, Jena. 1913. Preis 2,50 Mark geheftet 3,25 Mark gebunden. Der Herausgeber der „Geschichte der Juden in den Posener Landen'' bietet in dem Roman „Ringende Gewalten", als Kenner der geschichtlichen Materien, nicht nur eine treffende Schilderung der bedrängten Lage der Posener Juden in der schweren Zeit des siebenjährigen Krieges, sondern auch ein treues Bild innerer Kämpfe, die sich damals zwischen den auf ihr Talmudstudium stolzen polnischen Juden und einzelnen später eingewanderten Juden des Westens abspielten. Diese hatten sich durch deutsche Kultur und deutsche Sitte eine Bildung angeeignet, von der jene mit Anrecht eine religiöse Entfremdung befürchteten. In dieses Milieu hat der Verfasser ein Liebespaar hineingestellt, das sich durch „ringende Gewalten" charaktervoll durchkämpft und, alle Vorurteile besiegend, nicht nur dem Posener Ghetto Rettung vor äußeren Gegnern, sondern auch für die inneren Gemeindeverhältnisse einen versöhnenden Ausgleich der Anschauungen .herbeiführt. Dieser Roman verdient sowohl wegen seiner spannenden Handlung als auch wegen seiner anmutenden Tendenz freundliche Aufnahme. A. L. Palästina nnö palästinensischer Zionismus. Von Dr. P a u l R a - t h a n. Als Manuskript gedruckt. (Berlin 1914 bei H. S. Hermann.) Durch die Tagespresse und die Berichterstattung der jüdischen Zeitungen ist der bedauerliche Zwist zwischen dem Hilfsverein der deutschen Juden und der zionistischen Organisation in Palästina bekanntgeworden. Außerhalb unseres Programmes muß eine Stellungnahme dazu liegen, ob der Hilfsverein mit seinem oder die Zionisten mit ihrem Programm das Richtige für die Heranbildung der palästinensischen Jugend getroffen haben. Herr Dr. Rathan bemerkt in seiner Schrift, daß bei friedlichem Rebeneinanderarbeiten beider Organisationen in der Schulpraxis die Richtigkeit ihrer Programme sich hatten erweisen lassen. Leider geschah aber irr Palästina, was wir auch hier in Deutschland zu beklagen haben: Fanatische Agitatoren suchten, ohne Rücksicht auf die Würde des Judentums, auf die Ehre des Nächsten und vor allen Dingen auf die Feststellung der Wahrheit ihr Programm durchzusetzen. Man mag einem gewissen Idealismus und einem kühnen Schwung der Gedanken vieles nachsehen, die Grundsätze aller ehrenhaften Gesinnung, Wahrheit, Treue und Zuverlässigkeit darf er nicht verletzen. Man wird dieser Kritik entgegenhalten: „Woher wißt Ihr, daß diesen Geboten seitens der Zionisten in Palästina entgegengehandelt wurde?" Wir wissen es durch die obige Broschüre des Herrn Dr. Rathan, dessen Liebe zum Judentum, und vor allen Dingen zur