Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- D. G., Bernstadt i. Schl.
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 86 (sequence 2)
- Language
- German
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86 Im deutschen Reich. svrecheu und Lei der Feier des 50 jährigen Bestehens des dortigen Turnvereins die Festrede zu halten, ist als ein Beweis für das gute Verhältnis zwischen den verschiedenen Konfessionen erfreulich, wenn ein solches Verhältnis auch eigentlich selbstverständlich sein sollte und sich auch in anderen Orten die Anzeichen mehren, daß die Mitarbeit intelligenter Juden geschätzt wird. G. Ls.. Berlin. Sie haben richtig erkannt, daß das Ausrufungszeichen, welches wir der das Mommsen-Sanatorium des Drl Reinhardt betreffenden Aotiz unserer Aovember-Aummer beigefügt haben, nur das Groteske einer B erbindung des Aamens des großen Historikers Mommsen, dem der Antisemitismus sehr fern "lag, mit dem antisemitischen Verhalten des SanaLoriumsleiters hervorheben sollte. Auch der Abgeordnete Mommsen' hat natürlich mit diesem Sanatorium nicht das Geringste zu Lun, und die Bezeichnung „Mommsen-Sanatorium" dürfte Wohl nur von der Mommsen st r aß e , in der es sich befindet, abgeleitet sein. m Bücherschau. Soziale Ethik rin Judentum. Zur fünften Hauptversammlung in Hamburg 1913 herausgegeben vom Verband der deutschen Juden. Verlegt bei I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1913. (Mit Beiträgen von Baeck-Verlin, Bernfeld-Charlottenburg, Bernhard Breslauer-Berlin, Bergmann-Berlin, Max Eschelbacher-Düsseldorf, Güdemann-Wien, Bloch-Posen, Aobel-FranksnrL a. M., Cohen-Berlin.) Preis geb. 1.50 M. Die vorliegende Veröffentlichung des Verbandesder deutschen Juden dient einem doppelten Zweck. Sie will zunächst zeigen, daß der soziale Gedanke in der ethischen Entwicklung des Judentums grundlegend und bestimmend ist, daß „es keine Frömmigkeit ohne den Mitmenschen gebe". Rach dieser Feststellung geht sie der Umsetzung und Wirkung dieser sozialen Grundrichtung auf allen Einzelgebieten praktischer, sittlicher Arbeit nach und zeigt, daß. die Praris des Judentums mit der religiösen Theorie stets in Aebereinstimmung blieb. Der häufig ausgesprochene Gedanke, daß sehr vieles von ienen sozialen Anschauungen, zu denen sich erst jetzt die modernen Staaten bekehren, altes jüdisches Gut darstellt, daß also die soziale Entwicklung unserer Tage einen Sieg jüdischer Ideeukreise bedeutet, wird durch ein reiches, geschickt ausgewähltes Tatsachenmaterial bewiesen. Zu bedauern bleibt, daß im ganzen Buch nur die materielle, nicht aber die formale Seite der jüdischen Ethik berührt ist. Das Judentum hat von jeher die sozialen Pflichten peinlichst durch ganz genaue, ins einzelne gehende Gesetze geregelt, ganz im Gegensatz zum Christentum, das der freiwilligen LiebestätigkeiL alles überließ. Die moderne Entwicklung ist zum alten jüdischen Standpunkt zurückgekehrt, und besonders in der sozialen Gesetzgebung unseres deutschen Vaterlandes, welche fast alle Gebiete sozialer Fürsorge streng gesetzlich regelt, ist das alte jüdische Prinzip zu einem vollen Siege gelangt. Diese wichtige Tatsache hätte zum mindesten eine Erwähnung, wenn nicht gar eine längere Würdigung verdient. — In einer Zeit, da die Kritik der andersgläubigen Welt jüdische Sittlichkeitsideen und jüdische Gedankenwertze nach Möglichkeit herabzusetzen sucht, da selbst in