Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- In unserer Liste der Groß-Berliner Apotheken
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 84 (sequence 2)
- Language
- German
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84 Im deutschen Reich. Helm-Apotheke in Charlottenburg erklärte, das Inserat mit der Einschaltung „Christ" sei s. Zt. ohne sein Zutun in die „Pharmazeutische Zeitung" gekommen und seitdem mit dem von ihm nicht gebilligten Zusatz nie wiederholt worden. Er würde keinen geeigneten jüdischen Bewerber ausschließen. — Die genannten beider: Charlottenburger Apotheken sind demgemäß in unserer Liste der Apotheken, deren Besitzer bei Ausschreibung von Stellen jüdische Bewerber ausjchließen, gestrichen worden. — Auch die Für ft Bismarck-Apotheke in Berlin 80 und die Löwen-Apotheke in Potsdam konnten in unserer Liste erfreulicherweise gestrichen werden. Die Fürst Bismarck-Apotheke gehört set dem 1. Oktbr. vorigen Jahres Herrn Arthur Hurtig, der selbst Jude ist und einen Juden angestellt hat. Der Besitzer der Löwen- Apotheke, Herr K. Krumbholtz in Potsdam, hat uns mirgeteilt, daß er zwar früher in der „Pharmazeutischen Ztg." (unter dem Eindruck einer unliebsamen Erfahrung) in Inseraten ausdrücklich nur christliche Bewerber zur Meldung aufgefordert habe, aber seit dem 1. Oktober v. Is. einen jüdischen Aspiranten beschäftige. — Herr Herwarth Retzlag schreibt uns, daß er seit dem 1. Oktober 1913 die Gertrauden-Apotheke in G r o ß - L i ch t e r f e l d e. besitze und bei der Wahl seiner Mitarbeiter nicht nach der Konfession frage. — Den Besitzer der einzigen Apotheke in Birnbaum, Herrn H, Reinhard, haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß er durch die Form seines in der „Pharmazeutischen Zeitschrift" erlassenen Inserats und den darin ausgesprochenen Ausschluß eines jüdischen Mitarbeiters in den Kreisen unserer Mitglieder arge Mißstimmung hervorgerufen habe. Da die erbetene Rückäußerung unterblieben ist, liegt der Schluß nahe, daß ihm diese Mißstimmung seiner jüdischen Kundschaft gleichgiltig ist. — Wenn die einzelnen Ortsgruppen des Centralvereins von den Erwerbsmöglichkeiten in ihrer Gegend den Zentralvorstand regelmäßig in Kenntnis setzen würden, dürfte es im Einverständnis mit den Ortsgruppenvorständen gelingen, die Erwerbstätigen nach und nach in vorhandene Lücken einzuschieben. Man hat uns z. B. darauf aufmerksam gemacht, daß in einer oberschlesischen Stadt eine ganze Anzahl kleiner Leute in den Vororten die Korbfabrikation als Hausindustrie betreiben, aber im Winter arbeits- und beschäftigungslos sind. Dort würden einsichtige Anternehmer mit mäßigen Mitteln unter Benutzung bereits eingearbeiteter Kräfte eine veredelte Korbindustrie schaffen und bei dem großen Absatzgebiet der oberschlesischen Industriebezirke lohnend machen können. Dort, wo eine starke landwirtschaftliche Umgebung den Absatz sichert und viel Stroh das erforderliche Material, dürfte die Begründung einer Flaschenhülsen-Erzeugungs-Industrie durch beständig sich steigernden Bedarf bedeutenden Verdienst in Aussicht stellen. In allen ähnlichen Fällen würde, wenn die Ortsgruppen dem Bureau des Centralvereins die erforderlichen zuverlässigen Angaben liefern, das Bureau diese etwaigen Reflektanten übermitteln. Anfragen über Lliederlasfungsmöglichkeiten für jüdische Aerzte und Rechsanrvälte seitens unserer Mitglieder werden von unserem Büro beantwortet.