Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 79 (sequence 5)
- Language
- German
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V er ei ns nach richten. 79 von neuen Beitrittserkl cungen zürn Verein zeigte, daß auchinPrenzlau unserer Vereinssache regstes Interesse entgegengebracht wird. Es wurde zunächst ein provisorischer Ortsverband gegründet, der bernüht sein wird, durch weitere Werbungen die zur Gründung einer „Ortsgruppe P r e n z l a v. “ erforderliche Mitgliederzahl baldigst zu erzielen. — Den provisorischen Vorstand der künftigen Ortsgruppe Prenzlau, die z. Zr. Mitglieder zählt, bilden die Herren Rechtsanwalt Anger, Raboiner Dr. Bähr, Kaufmann Philipp Kirstein, Kaufmann Emil Markus, Kaufmann Adolf Brasch und Prokurist Mar Hermann. — Die O r rsgr v p p e Aachen hat am 28. Dezember unter dem Vorsitz des Herrn Hermann Gottfeldt ihre alljährliche öffentliche Versammlung abgehalten. Herr Landtagsäb geordneter Dr. Cohn-Dessau, der über die Stellung der Juden in Deutschland sprach, gab in aroßen Zügen ein umfassendes Bild von der gegenwärtigen polnischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden. Der Redner wies in überzeugender Weise die Notwendigkeit der Bestrebungen des Centralvereins nach, wobei er insbesondere auch dre Erziehungsarbeit des Vereins würdigte und eingehend die Taufsrage erörterte. Durch seine glänzende Beredsamkeit verstand es der Referent, die Versammlung zu fesseln. Nachdem noch Herr Rechtsanwalt Abel, Essen, in zündenden Worten zum Beitritt zum Eentralverein aufgefordert hatte, lohnte stürmischer Beifall die beiden Redner. 37 neue Mitglieder traten der Ortsgruppe Aachen bei und zabtreiche bisberwe Mitglieder er öbten ihren Beitrag um ein Beträchtliches. Durch, intensive Werbearbeit hat die Ortsgruppe schon vorher im Jahre 1913 40 neue Mitglieder gewonnen. — In einer von der Ortsgruppe Cöln des Centralvereins einberusenen Versammlung, die außerordentlich zahlreich besucht war, sprach am 29. Dezember der Reichstagsabgeordnete Stadtrat Dr. Ludwig Haas aus Karlsruhe über den Kamps der deutschen Juden um die Gleichberechtigung. Der Redner stellte zunächst fest, daß die jüdischen Mitbürger zu der Annahme berechtigt seien, daß der Staat seine Bürger nicht mit gleichem Maße messe. Wenn man behaupte, nicht wegen ihres Glaubens würden die Juden schlechter behandelt, sondern wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer andern Rasse, so müsse man fragen: warum seien den die Juden dem Staat willkommen, wenn sie ihren Glauben gewechselt haben? Habe sich denn damit die Rasse geändert? Wenn der deutsche Staat sich erst einmal auf die Rassentheorie einlassen wolle, würden sich merkwürdige Ergebnisse Herausstellen. Den Trost hätten die Juden, daß sie stets und zu allen Zeiten ihre Pflicht dem Vaterlande gegenüber, im Krieg wie im Frieden, erfüllt hätten. Der Redner führte dies weiter aus und schloß mit dem Ausdruck der optimistischen Aeberzengnng, daß es doch mit der Zeit besser werde in der Behandlung der Juden, weil sie von vielen guten Menschen Unterstützung in diesem Kampfe fänden, und zwei Bundesgenossen in ihrem Kampfe hätten, die stärker seien als alle Vorurteile: die Gerechtigkeit und die Vernunft. Stürmischer Beifall folgte diesen Ausführungen des Redners, dem Herr Feilchenseld, der die Versammlung leitete, noch besonders dankte. In der Aussprache verurteilte Sanitätsrat Dr. Auerbach in scharfen Worten die sogenannten Taufjuden. Dem preußischen Staat gegenüber, in dem kulturelle Einengung der Juden, deren Hineinzwängen in bestimmte Berufe, immer weiter um sich greise, stellte er das „ultramontan regierte" Bayern gegenüber, in dem es