Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Dresden
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 69 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 69 Weimar über „Deutschlands Erneuerung" sprach, war der etwa 1300 Personen fassende toaal des Vereins Haus es nur etwa von 250 Personen besucht. Die Ausführungen des Redners unterschieden sich wenig von denen, die Fritsch im „Hammer" über die angebliche Verjudung in der Wissenschaft, der Kunst, der Presse, dem Theater, der Kritik und der Politik dargelegt hat. Nach Bartels sind tue Tendenzen der jüdischen Rasse Gewinnsucht und Eitelkeit und die Zeichen des nationalen Niederganges mit der Iudenfrage verbunden. Er behauptet, der Kaiser lebe -in oerjudeter Atmosphäre. lieber das Judentum im Adel gäbe der jetzt einigermaßen zuverlässige Semi- Gotha und der neue Semi-Kürschner Aufschluß. Im Heroldsamt säßen nur Juden, und von den llniversitätslehrern seien 17 Prozent ungetanste und 25 Prozent getaufte Juden. Von den vier Professoren, die in Berlin über deutsche Literatur läsen, seien drei Juden, und ihn habe man nicht den Nachfolger Erich Schmidts werden lassen, weil man ihn für einen unruhigen Kopf halte. In der Kantgesellschaft und in der Goethegesellschaft seien die Christen in der Minderzahl; die Verleger des „Daheim", der Firmen Velhagen & Klasing, ,B,. & G. Teubner, ferner außer Mosse, Allstein und Scherl auch S. Fischer und Bong galten Herrn Bartels sämtlich als verjudet. In der Politik gilt ihm Schiffer als Jude, Paasche nicht für einen Deutschen, Bassermann und auch Stresemann ebenso wenig, weil sie jüdische Frauen hätten. Daß die Antisemiten an das Vorkommen von Ritualmorden glauben, sei eine Lüge der liberaler: Presse; jes handle sich auch in Kiew nur um einen Blutmord. Dann erzählte Bartels, daß bei dem Kammergericht in Berlin und bei den Landgerichten 52 bzw. 66 Prozent unter den Anwälten Juden seien, bei den Aerzten in Berlin 44 Prozent. Er hatte auch den kläglichen Mut, die Zahl der tatsächlich in Dresden vorhandenen zwölf jüdischen Aerzte und zwanzig jüdischen Rechtsanwälte nach antisemitischer Methode so aufzuzählen, daß daraus fälschlich 26 jüdische Aerzte und 30 jüdische Anwälte wurden. Ferner suchte er seine Zuhörerschaft zu überzeugen, daß Deutschlands Erneuerung von der Durchführung der Ideen Frymanns in dem Buche „Wenn ich der Kaiser wär" abhängig sei. Gute Dienste könne das Blutsbekenntnis der völkischen Verbände leisten in der Jugendbewegung wenn erst die jüdische Beteiligung aufhören und eine Erziehung auf völkischer Grundlage geschaffen würde. Am Christentum müsse man festhalten; Christus solle nach neuen Forschungen Arier gewesen sein. Demonstrativer Beifall folgte der auch in geistiger Beziehung kläglich anmutenden Rede. Die „Dresdner Neuesten Nachrichten" bemerkten am Schlüsse ihres Versammlungsberichts, „daß die nicht zahlreichen Seinen den verschrobenen Doktrinen ostentativen Beifall nicht versagten", wogegen der Bericht des von vielen jüdischen Familien gehaltenen und von jüdischen Inserenten sehr unterstützten amtlichen Organs des Dresdner Magistrats, des „Anzeigers", auffallenderweise über diese Leistung des Antisemiten Bartels ziemlich günstig lautete. O Königsberg i. px., 2. Januar. Am 9. Dezember starb hier der Auktionator Michaelis Stolzenberg, der im Fahre 1870 als kaum sechzehnjähriger junger Mann als Freiwilliger in den Krieg gezogen war. Sein Hinscheiden wurde von der „Ostpreußischen Zeitung" mit der Bemerkung erwähnt, daß Stolzenberg, der in dem Grenadier-Regiment Kronprinz an mehreren Gefechten teilnahm, als der jüngste Veteran des 1870 er Feldzuges zu betrachten sei. Er war Jude, was in dem agrar-konservativen Blatte nicht erwähnt ist. *