Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- M. W., Wiesbaden
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 44 (sequence 2)
- Language
- German
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44 gnt deutschen Reich. vernichten, zumal auf solche, bei denen die! traurige Ritualmordlüge taktlos gestreift wird. Rassel. Seit Jahren haben wir wiederholt (zuletzt in dem Dezemberheft des Jahres 1909 und dem Septemberheft 1910 dieser Zeitschrift) auf den fortgesetzten Nnfug der Leipziger Buchhändler-Firma Hermann Beyer hingewiesen, jeder Lieferung ihrer Verlagsartikel sogenannte Löschkupvns oder Merkzettel mit judenfeiudlichem Inhalt beizulegen. Wir haben dabei wiederholt auf die engen Beziehungen Beyers zu dem bekannten Gründer des antisemitischen hammerbundes, DH. Fritsch, aufmerksam gemacht, dessen Schriften er bei jeder Bestellung harmloser Verlagsartikel gleichzeitig anpreist. Wer sich den Verdruß ersparen will, mit solchen beschimpfenden Zetteln beglückt zu werden, dem ist nur zu raten, in keinerlei geschäftliche Verbindung mit bekannten Judenfeinden zu treten, sondern bei jedem Bedarf an Büchern sich an seinem Wohnort an einen als vorurteilslos bekannten Buchhändler zu wenden. * Bücherscharr. £>ic Memoiren des Ascher Levp aus Reichshofen im Elsaß (1598—1635). Herausgegeben, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von vr. M. Ginsburger, 1913. Verlegt bei Louis Lamm, Berlin. Preis 3,50 M., Luxusausgabe 6 M. Die jüdische Literatur ist an Memoirenwerken nicht reich, und die vorliegenden Aufzeichnungen besitzen darum, wie jeder neue Fund, eine erhebliche Wichtigkeit. Das von Ginsburger herausgegebene Werh ist nicht nur wegen seiner kulturgeschichtlichen Einzelheiten von Interesse; es bietet nicht nur den Reiz, daß man Dinge, welche man bereits aus der Perspektive der großzügigen, allgemeinen Geschichtsforschung kennt, nun auch vom Standpunkte des kleinen Mannes und des Alltags verstehen und würdigen lernt, sondern es ist auch von vielseitigem wissenschaftlichen Wert. Es berichtet zwar nur von dem Leben und Treiben eines schlichten Inden, der über den Anfang des 17. Jahrhunderts (die allerdings sehr interessante Zeit bis zur ersten Hälfte des dreißigjährigen Krieges), erzählt, aber die ungekünstelten, oft naiven Bemerkungen geben ein reiches Material für die Geschichte vieler Gemeinden und für die heutzutage erfreulicherweise immer mehr beachtete Familienforschung. Schon aus diesem Grunde ist es zü bedauern, daß das Werk Fragment ist, da ein zweiter Teil, der eine allgemeine Chronik gebildet zu haben scheint, nicht aufgefunden worden ist. — Der Ausgabe des Werkes ist ein außerordentliches Loh zu spenden. Kurze aber vollständige Anmerkungen, sowie ein zuverlässiges Register erleichtern die Benutzung. Die Aebersetznng ist sorgfältig, oft allerdings so peinlich genau, daß sie an einzelnen Stellen ohne den hebräischen Text nicht verständlich ist. Dr. Goldmann. Redaktionsschluss dieser Nummer 23. Dezember 1913. Verantwortlich für die Redaktion und Verlag: A l p h o n s e Levy, Berlin. Alleinige InscraLenannahure: Bennigson & Ehrlich, Verlag für Handel und Industrie Berlin W 57, Druck: Paß & Garleh Grn. 5. H. Berlin W 57.