Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- L., Kempen i. P.
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 43 (sequence 2)
- Language
- German
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V er einsnachrichten. 43 Friedland für den Fall der Befreiung der- Mitglieder seines Kreises vom Eintritt in die Landwehr, der Staatskasse ein'en hohen Geldbetrag zu leisten, verwies, so ist damit gar nichts bewiesen. Bis zuim Ausbruch der Frecheitskriege war in Preußen den Juden der Anteil an der Verteidigung des Vaterlandes nicht gestattet. Obgleich die Juden als Freiwillige in den Jahren 1812 und 1814 erst den elementarsten Waffendienst erlernen mußten, zeichneten sich viele jüdische Soldaten so aus, daß nicht wenigezu Offizieren oder Unteroffizieren ernannt, auch Bitter des Eisernen Kreuzes wurden. Wenn trotzdem im Fahre 1815 die Vorstände der westpreußischen Judengemeinden Vorstellungen gegen die Heranziehung zur allgemeinen Wehrpflicht erhoben, war dies (wie Prof. Dr. Philipson bereits im Jul i/August-Heft 1909 „Im deutschere Beicht dar gelegt hat) nicht auf einen Mangel an 'kriegerischem Geiste bei den gesamten preußischen Juden zurückzuführen, sondern auf das in Westpreußen durch trostlose wirtschaftliche und soziale Zustände veranlaßte körperliche Elend unter der dortigen jüdischen Bevölkerung. Bach einem Nachweis des Sanitätsrats Dr. Benmann in der „Bation" Br. 23 vom Jahr 1892 sollen die meisten dortigen jüdischen Männer infolge harter Arbeit und Entbehrungen an Leistenbrüchen gelitten haben, Daß die 1813 äbgefaßte Eingabe der westpreußischen Juden hervorgehoben wird, daß dagegen die im Jahre 1847 viel zahlreicheren Dringenden Immediat-Ge sitche jüdischer Gemeinden, von einer beabsichtigLen Ausschließung der Juden von der allgemeinen Wehrpflicht Abstand zu nehmen, totgeschwiegen werden — rst eben echt a n t i s e m i t i s ch! Düsseldorf. Die in der ,,Beuen Züricher Zeitung" vom 28. Oktober d. I. enthaltene Kritik des von dem Dänen Henri Bathanson verfaßten vieraktigen Schauspiels „Hinter Mauern" ist so unter aller Kritik, daß nur ein auf der niedrigsten Kulturstufe stehender Leserkreis an diesem Erzeugnis antisemitischer Satire Gefallen finden kann. Daß es auch in der Schweiz Journalisten gibt, die auf so niedrige Weise für den Antisemitismus Propaganda zu machen versuchen, kann den Juden nicht schaden, denn solche Pfeile prallen auf den Schützen zurück. Wenn der Kritiker in seinem vornehmen Jargon u. a. den ^utz gebraucht: ,.,/So 'ne Chuzbe geht doch über die' Hutschnur", so har er wohl damit sich selbst kritisieren wollen! p. D., Gelbe i. A). Da bei dem B e z i t a t i o n s - A b e n d am 19. Oktober im dortigen Hotel Wolf der Vortragende die Empfindungen der jüdischen Zuhörer verletzt hat, hätten die dadurch Beleidigten sofort den Saal in auffälliger Weise verlassen und das Hotel, so lange der Bezitator dort verweilte, meiden sollen. Wenn der Wirt schon durch die in dem Programm aufgeführten jüdischen Bämen hätte ahnen sollen, daß sich Aehnliches in seinen Bäumen abspielen würde, ist es doch nicht ganz ausgeschlossen, daß er nur Harmlose Scherze erwartet habe. Die Schuld trifft deshalb nicht ihn, sondern den Bezitator, vor dessen Leistungen wir warnen würden, wenn wir seine genaue Adresse erhielten. Gebildete Saalbesitzer würden dann Bedenken tragen, ihm ihre Räumlichkeiten für solche Geschmacklosigkeiten zur Verfügung zu stellen. M. XO., Wiesbaden. Das in der Br. 44 des „B olanb o n ^Berlin" veröffentlichte Gedicht „Der Bitualmord von Leipzig" ist so flach und geschmacklos wie nur möglich, nichts anderes als eine witzlose Mauschelei. Wer deutsch schreiben kann, sollte zu einer solchen keine Zuflucht nehmen, auch auf Scherze im Jargon