Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Prag
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 565 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316840--24102-2347930- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 565 auch eine arische Kegelbahn und ein jüdisches Billard. Breiter fragte als Vertreter der Interpellanten, ob der Minister diesen jeder Kultur hohnsprechenden Zuständen ein Ende bereiten wolle. — Bei uns in Deutschland soll es aufgeklärte Aerzte geben, die noch radikaler operieren: sie lassen jüdische „Kollegen" überhaupt nicht in „ihr" Kasino; so z. B. vor den Toren der Residenzstadt Berlin, im Kreiskrankenhaus zu Britz. * „Völkischer Skanöal". Die „Deutsch-Sozialen Blätter" veröffentlichten am 1. Oktober d. I. einen „Der große Patriot" überschriebenen zornsprühenden Artikel, weil ihnen ein Blatt zugegangen war, das durch den Titel „Vor hundert Fahren, Bilder aus den Befrei ungskri egen" und entsprechende Illustrationen den Anschein einer patriotischen Zeitschrift erweckte, aber durch den Inhalt und die Angabe ,cherausgegeben von Mar Rosenheimer Wittenberge, Vez. Potsdam," iich als Anpreisung eines Kaufhauses erwies. Diese Reklame glaubte das antisemitische Organ zu folgendem wutschnaubenden Ausfall gegen die Juden „a u s b e u L en" zu dürfen: „Die patriotische Großtat" Max Rosenheimers ist ein weiterer Beweis für das nationale Empfinden des Judentums. Woran wir Deutschen mit tiefster Ehrfurcht und freudigem Stolz denken, unsere höchsten Güter: Freiheit, Ehre, Vaterland, wagt ein Jude so zu geschäftlichen Zwecken auszubeuten; dieses Geschäftsgebaren spricht unserer nationalen Empfindung Hohn! Es bedeutet einen völkischen Skandal, eine Schmach für unser Deutschtum. Deutsche Brüder sollen wir nus das vom Judentum bieten lassen?" — Wir sind in der angenehmen Lage, den „Deutsch-Sozialen Blättern" auf diese kühne Frage eine bündige Antwort erteilen zu können. Die antisemitische Redaktion kann an ihrem eigenen Erscheinungsort von Herrn Otto Klingmüller (M. Luckhardt Rachfolger), Leipzig, Sternwartenstraße 24, I. II. III. IV. und V. Etage, eine 5k gleiche Ausstattung und dieselben Illustrationen aufweisende Reklameschrift beziehen, deren Inhalt auch nahezu gleichlautende Anpreisungen von Herren- und Damen-Garderobe u. a. m. bietet, während am Kopf der ersten Seite sich die christliche Firma als Herausgeber der „großen P a t r i o t e n s ch r t f t" bezeichnet, also als vollberechtigte Teilnehmerin an der angeblichen „Schmach für unser Deutschtum" und dem „völkischen Skandal!" — Ans gefällt weder bei Juden noch bei Christen eine solche Weise, Waren anzupreisen, aber das Antisemitenorgan hätte zuerst Herrn Klingmüller Moral predigen oder seine Entrüstung für einen ähnlichen, noch weit widerlicheren „völkischen S k a n d a l" aufsparen sollen, der selbst den antisemitelnden „Leipziger Reuesten Rachrichten" zu arg war. Dieses „alldeutsche" Blatt schrieb am 18. Oktober: „Eine Fe st zeitungsimitation zur Leipziger Jahrhundertfeier wir5 zurzeit in Leipzig ausgeboten. Als verantwortlicher Herausgeber zeichnet ein Herr Dr. Heinrich Pudor. Die „Festzeitung" ist weiter nichts als eine Propaganda des radikalsten Antisemitismus und hat mit der Jahrhundertfeier an sich nicht das geringste zu tun. Man mag den Antisemitismus für berechtigt halten oder nicht, man mag ihm zustimmen oder ihn ablehnen, eines sollte man doch auch von ihm und seinen Vertretern in Leipzig erwarten: daß sie die Feier, die die gesamte Bürgerschaft Leipzigs zur Erinnerung an die großen, gewaltigen Ereignisse vor 100 Fahren begeht, nicht in der geschmacklosen Form einer solchen „Festschrift" ausnützt zur Propaganda für ihre Parteizwecke. E s