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Im deutschen Reich · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. 550

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Article
Wandervogel
Date
1913-12-01
Page
550 (sequence 4)
Language
German
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550 Im deutschen Reich. von alten, geachteten Führern haben sprechen hören, um die Größe ihres Einflusses zu verstehen. Zwar sind Erwachsene die eigentlichen Mitglieder der Verbände, und die Leitung der Verbände, der Gaue, der Ortsgruppen liegt in ihren Händen, aber das ist nur eine Form, geschaffen, das Verbot der Schülervereinigungen zu umgehen, das Ausschlaggebende ist die Führerschaft. Freundschaft und echte Kameradschaftlichkeit schmieden, unabhängig von jeder Form, aus den vielen einzelnen Gruppen das einheitliche Ganze. Wer einmal dabei ist, der ist mit Leib und Seele Wandervogel. Er reißt sich sehr schwer davon los. Die Bedeutung des Wandervogels erstreckt sich noch weiter. Es ist die angesehenste und bekannteste unter den kültur- und lebensreformerischen Jugendorganisationen. Er hat enge Fühlung mit den neuen studentischen Vereinigungen) wie der deutsch-akademischen Freischar, den abstinenten Studenten- und Schülervereinigungen, dem Vortrupp-Bund, dem Dürerbund, den Freien Schulgemeinden und ähnlichen. Auf dem Freideutschen Iugendtage, der Jahrhundertfeier, die alle diese jungen Vereinigungen gemeinsam auf dem Hohen Meißner veranstalteten, war der Wandervogel zwar nicht offiziell, aber durch sehr viele seiner Mitglieder und einflußreichsten Führer vertreten. Die antisemitische Presse hat diese Veranstaltung vorher bekämpft, hat besonders die Festredner Traub, Popert, Wyneken scharf angegriffen; der Hammerbund hat sogar versucht, eine Störung in Szene zu setzen. Alle Teilnehmer sind sich darüber klar, daß es nur der außerordentlich geschickten Leitung zu verdanken ist, daß nicht offene Gegensätze ausbrachen. Käme zu den rein antisemitischen Vereinen, wie die „Volkserzieher" und die „fahrenden Gesellen", die sich zu diesem Kreise zählen dürfen, noch ein judenfeindlicher Wandervogel, so wäre dem Antisemitismus eine Iungmannschaft gesichert, die ihm für Jahrzehnte das Leben garantieren würde. Die Lage ist sehr ernst, darüber müssen wir uns klar sein. Aber ist sie verzweifelt? Das ist sie ganz bestimmt nicht. „Kein. Jude kann mehr im Wandervogel bleiben, alle müssen sie heraus. Das Seelenleben der Kinder wird vergiftet, wenn man sie so unerhörten Beschimpfungen aussetzt. Da aber die jüdische Jugend genau so gut ein Anrecht auf eine Stählung des Körpers, auf ein frisches Leben in der Natur hat, darum wollen wir jüdische Wandervögel gründen und hier im echten jüdischen Milieu die Jugend die Wohltaten des Wandervogels genießen lassen." Diese Argumentation hat etwas Bestechendes. Aber ist man sich über die Folgen klar? In der Schule arbeiten die jüdischen und christlichen Kinder in vollster Harmonie zusammen. Jetzt wird der Versuch gemacht, Haß und Zwie-

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