Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Die Sagen der Juden [Rezension]
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 513 (sequence 1)
- Language
- German
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Büch erschau. 513 Bücherschau. Die Sagen -er Juden. (Bon der Arzcit.) Gesammelt und verarbeitet von Micha Josef bin Go r i o u. Vertag der Literarischen Anstalt Bütten Sc Loening, Frankfurt a. M. 1913. Das von der Gattin Gorions, Frau Rahel Ramberg-Verhczeioskr vorzüglich ins Deutsche übertragene Buch verdient als eine Quelle tiefster Votkspocsie Beachtung weitester Kreise. Mit einem wahren Bienenfleiß hat der Verfasser aus zum Teil wenig bekannten Schriften wunderbare Gedanken sowie sinnige Traume zusammengetragen und so trefflich zum Ausdruck gebracht, daß sie manches, was in der Bibel nur in schlichter Weise oder mit lapidaren Worten enthalten ist, metaphysisch darzustellen oder mystisch zu verklären scheinen. In unserer Zeit, die auf dem Gebiete realer Forschungen bisher kaum Geahntes leistet, bringt Gorions Buch Ideales, insbesondere geistvoll Ersonnenes über Vorgänge vor und bei Erschaffung der Welt. Seine Sammlung phantasiereichcr Dichtungen ist nicht etwa als religionswissenschaftliche Exegese, sondern als Erzeugnis echter Gefühlstrefe zu bewerten. Sie ist auch nicht eigentlich jüdisch, sondern kabbalistisch wie der aramäische Pentateuch- Kommentar „Sohar" („Glanz"), der trotz der Beimischung von neuplatonischen, gnostischen oder aristotelischen Anschauungen bei vielen Juden als eine gedankenreiche Vibelerklarung hohes Ansehen genoß. Die Kapitel „Erbsünde", „Matatron-Henoch als Mittler" und „Die beiden Matatrons", die zu einem „Trinitats^glauben in dem Buche Gorions leiten, werden auch eher der christlichen Theologie als der jüdischen willkommen sein. Die tiefsten Furagen über Gott und Welt sind aber auch nicht von dem Dichte?, sondern von dem Denker zu lösen, der nach rabbinischem Ausspruch selbst Stimmen von oben (Bath Kol) nicht als Beweismittel zu betrachten hat. Der dichterische Wert der Schöpfungsgeschichte Gorions ist jedoch zweifellos ein hoher, ihr Eindruck ein fesselnder. A. L. * ..Familie Mehlmann" (Bomau eines Konvertiten) von F r. Streißler, geheftet 2,75 M., gebunden 3,75 M. Verlag von Hermann Eonstenoble. Ans gefällt dieser Vornan eines Konvertiten nicht; die ernste Frage des Glaubenswechsels aus materiellen Gründen verdient eine ernstere Behandlung, als sie in diesem Roman erfährt. Ebenso verhält es sich mit der Frage der Mischehe, bei welcher der Verfasser den Leser im Zweifel läßt, ob sie gebilligt oder mißbilligt wird, ob nicht die Versorgungsfrage zu sehr in den Vordergrund gestellt ist. vr. S'. Das Recht -er israelitischen Religionsgemeinschaft in Rnrhessen. Von vr. jur. Sally Engelbert. Marburg a. L. 1913»