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Im deutschen Reich · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. 509

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Stuttgart
Date
1913-11-01
Page
509 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 509 Pamphlet, das sie treffend als eine Beleidigung deutscher Kunst, deutschen Geistes und deutscher Frauen bezeichnet. Der „Beobachter" sagt: Die Freiheit kann man den Juden nicht mehr nehmen, darum schaffe man eine Spezialgesetzgebung für sie." Das wollten schon die Reaktionäre in der Frankfurter Rational- Versammlung im August 1848. Die Worte, die Gabriel Rieß er diesem Antrag gegenüber fand, snrd auch beute noch die beste Antwort auf das Treiben der Antisemiten. Er rief den Abgeordneten ^des Volkes zu: „holten "wir^ Juden es als ein Anglück erachten, daß wir deutsch reden? ^oll die Geschichte von Ihnen sagen ..... daß Sie für die drohende Gewalt nur milde Worte hatten (gemeint ist Dänemarks Eingreifen in Schleswig-Holstein), einer schwachen Rcligionspartei dagegen, die in bürgerlicher Hinsicht nichts will, als in Deutschland aufgehen einer Klasse, die keine Rationalität haben will, die ihnen von ihren Feinden aufgebürdet wird, die deutsch denkt und fühlt, mit Mißhandlungen entgegentreten und zu ihrem Rachteil Ausnahmegesetze bestehen lassen, wahrend sie andererseits alle Ausnahmegesetze vernichten und dein gleichen Recht, dem gleichen Gesetz anheimstellen, alte Schäden der Gesellschaft zu heilen." Dieser Jude dachte deutscher als der Verfasser des Pamphlets, und bewies durch sein ganzes handeln, daß ein Jude deutsch denken kann. Rehmen wir ihm nach dem Rezept der Antisemiten die verfassungsmäßig garantierten Rechte, so nehmen wir ihm freilich das Interesse und die Liebe zum Deutschen Reich. Es ist keine Sentimentalitäts- und Humanitätsduselei, und man braucht kein Jude oder Iudengenosse zu sein, um den unverantwortlichen Hetzereien gewisser „Teutscher" entgegenzutreten. Die Gewährung von Toleranz und Gerechtigkeit ist lediglich ein Gebot politischer Klugheit. In einem demokratischen Staatswesen werden die widerstrebenden Interessen am Leichtesten auf das gemeinsame Ziel der allgemeinen Wohlfahrt hingeleitet; in einem intoleranten Staate hingegen die Gegensätze verschärft und SLaatsfeinde von oben herab gezüchtet. Das Treiben der Antisemiten lst daher nicht nur kulturwidrig, sondern auch im höchsten Maße unnational, denn sie verwechseln „deutsch geboren* mit „deutsch empfindend". Auf dieses kommt es letzten Endes an.

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