Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- König und Rabbiner
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 474 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Im deutschen Reich. ^74 lag Dr. Basch L Co., Berlin. Preis brosch. Mk., Ln Leinenband 4. - Mk.) folgendes: Das erstgeborene Kind der Königin Viktoria war bekanntlich eine Tochter, die nachmalige Kaiserin Friedrich. Run warteten sowohl das britische Volk als auch die königliche Familie mit Ängedurd auf die Geburt eines Prinzen. Die Königin Viktoria, die Mutterfreuden entgegensah, war-schwer erkrankt und weilte zur Erholung in Italien, und auf Anraten der Aerzte sollte die Monarchin wahrend der Zeit ihrer Entbindung in Italien bleiben, womit die königliche Familie einverstanden war. Die Zeitungsnachricht hierüber drang auch zu bcu Ohren des Rabbiners Mat Han Adler. Er erbat sich eine Audienz beinr Minister des Auswärtigen, um ihn darauf aufmcrksatn zu machen, daß »lach der englischen Verfassung nur derjenige englische Prinz den Thron erben könne, der auf englischem Boden das Licht der Welt erblickt habe. Sollte nun die Königin von England in Italien einem Prinzen das Leben schenken, so wäre er nach der englischen Verfassung von der Thronfolge ausgeschlossen. Der Minister vcrstandlgte hiervon den Hof, wo diese Mitteilung große Aeberraschung und Bestürzung hervorricf; denn man hatte diese Eventualität nicht berücksichtigt. So wurde Königin Vtktoria trotz ihres leidenden Zustandes nach England übersüyrt, wo sie bald darauf eines Prinzen, des Thronerben, genas. Die königliche Familie hat dem Rabbiner biefeii Dienst nie vergessen. Bekanntlich wurde Nathan Adler in' dankbarer Anerkennung seines Ratschlages zum Chief-Rabbi von ganz England ernannt und gründete gewissermaßen eine Rabbiue7-Dynastie. Rach seinem Tode .wurde, sein Sohn i)r. Hermann Adler zum Chief- Rabbi ernannt und dieser erfreute sich auch der Huld des Königs. Kohut weiß auch sonst über die Sympathien zu berichten, die König Eduard den Juden entgegenbrachte: Während seiner Regierung bekleideten mehrere Politiker' und Staatsmänner jüdischen Glaubens hohe Staatsämter. u. a. Samncl Speier, Samuel Marcus, Georg Phillipps und Arthur Cohen. Bezeichnend für das stolze Bewußtsein des wiederholt zum Lord- Mayor von London gewählten Sir Samuel Marcus, war, daß er zu dem feierlichen Banketts das er als städtisches Oberhaupt Londons alljährlich geben pflegt, alle fremden Gesandten mit Ausnahme des rumänischen wegen der judenfeindlichen Haltung dieses Staat's einlud. Aus demselben Grunde folgte er auch nicht der an ihn ergangenen Einladung zu den Iubiläumsfcierlichkeiten nach St. Petersburg. Wie sehr König Eduard an den Grundsätzen der Gleichberechtigung festbielt, wurde auch dadurch bewiesen, daß ein gläubiger Israelit, Sir Matthew Rathan, den wichtigen Posten eines Gouverneurs der Stadt Hongkong erhielt. Sir Matthew Rathan soll früher zum Militär-Ättachs der englischen Botschaft in Berlin bestimmt gewesen, die Ernennung aber an dem Widerstand von Berlin gescheitert sein. Spater wurde er Gouverneur der großen südafrikanischen Kolonie Ratal. Das Amt eines Generaldirektors der Posten in Indien, der einen weiteren Wirkungskreis besitzt als der deutsche Staatssekretär des Reichspostamts, wurde von dem Monarchen einem JudenRamens Kisch überwiesen. Demselben Bekenntnis gehörte auch der Bürgermeister des hauptortes des als antisemitisch verrufenen Britisch-Rordafrika, Kapstadt, an, Namens h. Liebermann. Dieser war zugleich erster Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde. Auch im' britischen Kolonialstaat in Westaustralien ist von Eduard VII. die Verwaltung des Reichsdepartements einem Juden, Matthew