Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln [Rezension]
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 427 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 427 unnötig unterbrechenden Zutaten viel weiteren Kreisen zugängig gewacht zu haben, ist das Verdienst des Direktors der israelitischen Realschule in Fürth, Or. Alfred Feilchenfeld. Zahlreiche Anmerkungen des Rebersetzers unb feine auf eigenen Forschungen zur Geschichte der Juden beruhenden erläuternden Bemerkungen erhöhen noch wesentlich den Wert des Buches, das hoffentlich eine weite Verbreitung finden wird. A. L. * Vermischtes. Eine jüdische Teilnehmerin an den Freiheitskriegen. Die Erinnerungen, die durch die hundertjährige Feier der großen Zeit der Freiheitskriege auf'gefrischt worden sind und vielfach Zeugnis für die Vaterlandsliebe und den Opfermut freiwilliger Mitkämpfer jüdischen Glaubens gegeben haben, lassen es angezeigt erscheinen, auch einer jüdischen Teilnehmerin an den Freiheitskriegen zu gchenken, deren verbürgte Daten. nicht der Vergangenheit anheim fallen sollten. Der in der „Vossischen Zeitung" vom Sonnabend, dem 9. Dezember 1815, darüber veröffentliche Bericht, der diese Taten einer tapferen Jüdin in wahrheitsgetreuer Weise schildert, lautet wörtlich: - „Luise Grafemus (eigentlich Esther Manuel, aus Hanau gebürtig, 30 Jahre alt. Jüdischer Abkunft und Religion), Wittwe des Wachtmeisters Grafemus im Regiment Konstantin Gardellhlanen, wollte ihrem Wanne, der sie und zwei Kinder (ein Mädchen, jetzt zehn Jahre alt und einen Knaben, acht Jahre alt) verlassen hatte, im Jahre 1813 nach Schlesien nachziehen, entschloß sich aber, in der Hülflosi gleit, worin sie sich befand, als sie Berlin erreicht hatte, selbst Kriegsdienste zu nehmen, welches ihr um so leichter ward, da sie in Mannskleidern reifete. Sie trat daher in das Königsberger zweite Landwehr-Ahlanen-Regiment, unter dem Major von Hermann, machte die Feldzüge 1813 und 1814, erst als Freiwilliger, zuletzt als Wachtmeister mit, wurde zweimal verwundet, bei Jüterbock am F'uße und in der Gegen d v o n Metz, erhielt auf dem Marsche durch Holland 1814 im Armeekorps des Grafen Bülow von Dennewitz das eiserne Kreuz, traf unvermutet am 29sten März 1814 mit ihrem Manne (der noch immer in Russischen Diensten stand) bei Montmartre zusammen, verlor ihn aber schon am folgenden Tage durch eine Kanonenkugel. Mit ehrenvollen Wunden und Auszeichnungen bedeckt, mit den ehrenvollsten Zeugnissen des Wohl- Verhaltens entlassen, ist' sie seitdem vom Regiment abgegangen, und kehrt nun nach einigem Aufenthalte in Berlin, nach Erfurt oder Hanau, ihrer Heimat, zu ihren Kindern zurück. Möge sie dort ihre Mutterpflichten mit eben der Treue erfüllen, die ihr als Krieger den Beifall Sr. Mas. des Königs und des Preußischen Heeres erwarb! Möge ihr aber allgemeine Teilnahme werden, and Unterstützung von vielen Wohlwollenden und Edeln, damit sic, ihrer vorigen Lebensbahn zurückgegeben im Stande sey, sie zu ihrem und ihrer Kinder Glück, heiter und sorgenfrei zu durchlaufen! Dieser Artikel war aufgesetzt, und der mündlichen kunstlosen Erzählung der Kriegerin nachgeschrieben, als uns das Petersburger Blatt: der Russische Invalide vom 25sten Januar loten Februar) 1815 zu Augen kam, welches den weiblichen Ahlanen, Luise Manuel; mit vieler Auszeichnung erwähnt. Sie ist Mutter