Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- San.-Rat L. in B.
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 425 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten. 425 Aufsätzen in der „POlitisch-anthropoLogischeu Revue" kennen würden, wäre Ihre Verwunderung über den unwissenschaftlichen, antisemitischen Charakter seiner Ausführungen aus S. 84 feines Buches nicht so groß. Daß die Juden von je schwerer Arbeit abhold gewesen, in 'Kunst und Wissenschaft meistens nur äußerliche Erfolge erstreben, entspricht weder für die Vergangenheit, noch für die Gegenwart der Wahrheit. Berechtigter wäre Ihre Verwunderung darüber, daß selbst dieser Autor anerkennt, daß die Juden im Ausland, besonders im weiten russischen Reich, zu Vertretern und Verbreitern des Deutschtums geworden sind, wenn er auch hinzufügt: „freilich ohne Absicht". Noch berechtigter aber ist es, wenn Sie sich darüber wundern, daß die „Deutsche naturwissenschaftlich e Gesellschaft e. V.", die sich die dankenswerte Aufgabe der Popularisierung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse gestellt hat, bei ihrem neutralen Vorhaben nicht größere Sorgfalt aufwendet und antisemitischen Autoren Gelegenheit gibt, ihre Eier in fremde Nester zu legen. £♦ S., Stettin♦ Wir haben uns keineswegs damit begnügt, über den Vorgang bei der „Kaisergeburtstagsfeier" im Kriegerverei'nvonKörlina. Pers. im Märzheft unserer Zeitschrift zu berichten, sondern haben seinerzeit die Sache dem Preußischen Landeskriegerverband unterbreitet, der in einem wiederholten Bescheide am 6. Juni ausdrücklich erklärt hat: „Der Vorstand weist bei allen Gelegenheiten darauf hin, daß in den Kriegervereinen alle Kameraden, ohne Rücksicht auf ihre Religion, völlig gleichberechtigt sind, wie denn auch nach den Satzungen aller Kreisverbände und Kriegervereine jÄ)e Erörterung über Religion zu unterbleiben hat. Bei der großen Zahl von 20 090 Vereinen ist es indes nicht möglich, alle Ueb erschr eitungen zu verhindern, so sehr wir das auch selbst bedauern müssen." — Danach war die Angelegenheit für uns erledigt; wir hätten höchstens auf die Unrichtigkeiten Hinweisen können, die in dem Bericht der „Staatsbürger-Zeitung" über den betreffenden Vorgang enthalten waren, z. B. daß diese Sache nicht den Kolberger, sondern den Körliner Kriegerverein betraf, daß der antisemitische Bericht nicht der „Kolberger Zeitung für Hinterpommern", sondern der „Ostfee- Zeitung'' entnommen war, daß der Baumeister Collatz, der geäußert hatte, Juden seien als Mitspieler bei einer Kriegervereinsfeier nicht zulässig, diese falsche Behauptung nicht vertreten, sondern schon am nächsten Tage widerrufen und andere Gründe für sein Bedenken angegeben hat. — Abev über die Unzuverlässigkeit der Berichte des Antisemit en-Moniteurs auch nur ein Wort zu äußern, heißt Eulen nach Athen tragen! p. A., Frieöberg i. Daß die landwirtschaftlichen Genossenschaften eine Schädigung der auf dem Lande wohnenden Juden herbeigeführt haben, zum Teil sogar zu diesem Zwecke gegründet wurden, kann nicht bezweifelt werden. Aber deshalb braucht man noch nicht alle Genossenschaftsgründungen auf antisemitische Tendenzen zurückzuführen. Es betätigen sich auch in einzelnen hessischen Genossenschaften Juden in erfolgreichster Weise während umgekehrt erfreulicherweise an den jetzigen traurigen Vorkommnissen in dem hessischen Genossenschaftswesen nur in einem Fall ein Jude als Mitschuldiger in Betracht kommt. Futeressant ist nur, daß in Oberhessen mehrere Genossenschaften jämmerliche Zusammenbrüche erleben, die, wie die Landsdorfer, von dem ehemaligen antisemitischen Abgeordneten Köhler-Langsdorf mit Ausschluß der Juden gegründet wurdeü und sich darauf etwas besonderes zugute taten. Auch die mit großen Schwierigkeiten kämpfende, vor