Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Was werden wohl die Herren vom Centralverein sagen?
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 409 (sequence 2)
- Language
- German
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Antisemitische Äußerungen von Lehrern ans letzter Zeit 409 Unsere Antwort ist sehr einfach: Wenn man zitiert, muß man vollständig zitieren; und wenn die „Welt'' dies getan hätte, hätte sie ihren Lesern folgenden Satz, den Professor Gras von Baudissin eingangs seiner Bede wörtlich gesprochen hat, nicht vorenthalten: „Ich muß dabei oorausschickend hervorheben, daß ich allein an das israelitische Volk in der Zeit seiner Selbständigkeit denke. Was von diesem Volk übrig geblieben ist nach der Zerstörung seines Staatswesens durch die Vömer, ist nicht -mehr: ein Volrh sondern eine nur d u r ch ge* m e i n s a m e Ab ft a m m u n g begrenzte N e l i a i o n s - g e m e i n s ch a f t." Antisemitische Aeußerungen von Lehrern aus letzter Zeit. Wiederholt sind in der letzten Zeit Beschwerden über antisemitische Aeußerungen von Lehrern bei uns eingelaufen. Wir haben jeden einzelnen Fall gründlich untersucht und mit unfern Eingaben an zuständiger Stelle durchaus günstige Erfolge erzielt. Da sie einen zwar kleinen, aber interessanten Ausschnitt aus der Tätigkeit unseres Vereins darstellen, teilen wir darüber folgendes mit: 1. Ein Lehrer an einer höheren Schule in Büdingen, D r. Schäfer, der am 22. November d. Is. mit mehrerer! christlichen Herren in einem Abteil dritter Klasse der Eisenbahn von Gießen nach Hungen fuhr, sollte, nach den uns zugegangenen Mitteilungen, ohne jede Veranlassung Schmähungen gewöhnlichster Art gegen die Juden ausgestoßen haben. In Anwesenheit mehrerer Fahrgäste habe er u. a. geäußert: „Die Juden müßten sämtlich aufgehängt und so lange gedreht werden, bis sie von selber tanzen würden." An eine dem antisemitischen Buch Stilles entnommene Bemerkung über das späte Heiraten der Juden habe er eine zotige Empfehlung geknüpft. Anker Benennung von zwei angesehenen christlichen Ohrenzeugen haben wir uns an das Großherzoglich hessische Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, mit einer Beschwerde über dieses öffentliche Verhalten eines Iugenderziehers gewandt und darin betont, daß derartige verhetzende Eingriffe gegen eine ganze Bevölkerungsschicht durch einen in verantwortlicher Stellung befindlichen Lehrer sowohl in bezug auf ihren Inhalt als.auf ihre Form zu den größten Bedenken Anlaß geben müßten. Es müsse auch befürchtet werden, daß ein Wann, der eine solche Sprache führe, auch in Ausübung seines Berufes nicht die unbedingt erforderliche Objektivität und das nötige Feingefühl an den Tag legen werde.