Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 8 (Juli 1913)
- Article
- S. M., Berlin
- Date
- 1913-07-01
- Page
- 378 (sequence 2)
- Language
- German
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378 Fm deutschen Reich. blattes „Die Rornen", das trotz aller ario-germanischen Reklame nahezu unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheint, scheint uns überflüssig. Ls genügt der Hinweis, daß die Früchte von Rassenfanatismus und nationalem Dünkel wie bei Guido List schließlich den eigenen Parteigenossen derart ungenießbar werden, daß ihr Gewissen sie zu Protesten gegen derartige Wissenschaft nötigt. Die Zeitschrift für den ostmärkischen Burschenschafter, „Die Wartburg", hat bereits im Dezember v. F. ein offenes Wort über die Guido List-Verehrung gebracht, in dem Dr. Viktor Waschnitius u. a. sagt: „So lange die Bewunderung Lists — es gibt sogar eine List-Gesellschaft, deren Aufruf übrigens, wenn ich mich nicht täusche, auch Lueger unterschrieben hat — außerhalb der akademischen Kreise ihre Anhänger fand, lohnte es sich tatsächlich nicht der Mühe, etwas dagegen zu tun. Es handelt sich da eben um ein nationales Agitationsmittel, das seine Wirkung auf die breiten Massen nicht versagt, und es ist schließlich gleichgültig, ob deren immer oberflächlich und verworren bleibenden Anschauungen der Wirklichkeit mehr oder weniger nahe kommen, wenn sie nur national gefärbt sind, und das wird durch Lists Werk wohl erreicht. Etwas ganz anderes ist es aber bei akademisch Gebildeten. Diese sind verpflichtet, in tiefstem Ernst nach einer echten Geisteskultur zu streben, und hier darf niemals politische Opportunität die Wertung beeinflussen. Letzteres ist aber gerade bei uns nationalen Deutschösterreichern in hohem Grade der Fall, und nur mit größtem Bedauern muß man unter dem Hohn unserer Gegner sehen, wie innerlich ganz wertlose Werke und Persönlichkeiten gepriesen werden, nur weil sie sich ein nationales Mäntelchen umhängen." Dr. Waschnitius verweist darauf,- daß List sich, wenn er seine Behauptungen zu beweisen sucht, durch Zitate, Etymologien usw. eine Art wissenschaftlicher Beweisführung vorspiegelt, z. V. das Wort „Arda" für das erklärt, was zur „Ar-zeit da" war, „Edda" für das, was „eh da" war. Daß seien aber Witze, die für eine Kneipzeitung blöde genug wären, und solches Zeug wagte man „inneres Schauen" zu nennen. Entweder glaube List selbst an seinen Ansinn, dann sei er eben nicht bei Trost, oder er halte seine wackeren Anhänger zum Aarren. Dr. Ferdinand Bilge r von der „Silesia" sagt: „Ein Vergleich Lists mit Houston Stewart Ehamberlain ist für letzteren kränkend," und Rudolf M u ch meint: „Der Fall liegt so, daß man hier von Dilettantismus gar nicht mehr reden kann, wenn man nicht all denen, die Dilettanten sind oder auch sich selber so nennen, Anrecht tun will." Rudolf Much sagt weiter: „Der deutschtümelnde Gallimathias hat mit unserm Volkstum nichts zu tun. Das mit Entschiedenheit auch auszusprechen, fühlen wir uns gerade vom nationalen Standpunkt aus verpflichtet, weil wir nicht wollen, daß ihn unsere Gegner auf Rechnung des Deutschtums setzen und Anlaß finden, uns zu verspotten." — Damit dürfte wohl das Aruianentum der Arioger manen des Li st scheu Anhangs völlig abgetan sein. A. G., Berlin. Sie haben recht, Herr Professor Reinh. Vlese, der das Direktorat in Essen verloren hat, besitzt die für einen Pädagogen wertvolle Gabe eines vortrefflichen Gedächtnisses, denn er erinnert sich (s. Seite 30 seiner Schrift „Meine Verdrängung aus dem Direktorat des Königl. Gymnasiums in Essen"), daß ein kleiner „jüdischer" Schüler bzw. ein „kleiner Jude" es war, der sich zur Verübung eines Klassenulks während einer Anterrichtsstunde hergab. Die genaue Bezeichnung der Gestalt und Religion soll gewiß nur den Beweis liefern, wie fest sich der