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Im deutschen Reich · 1913-07-01 · Heft 8 (Juli 1913) · p. 367

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 8 (Juli 1913)
Article
Coblenz
Date
1913-07-01
Page
367 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenz en. 367 lassen, auchim privaten Leben Ratten die stillschweigend geduldeten Zurücksetzungen gewissermaßen Heimatsrechte erworben;, so hatte aus den Zinsen einer von einem verstorbenen Juden errichteten Wohltätigkeitsstiftung niemals ein Jude einen Pfennig erhalten. War irgendwo ein Wohltätigkeitsfest, dann hieß es stets: für die Armen der beiden Konfessionen; eine jüdische Konfession kannte man nur, wenn es sammeln für einen Wohltätigkeitsverein hieß. Diese sogenannten WohltätigkeiLsfeste fanden dazu noch meistens in den Räumen einer Gesellschaft statt, die prinzipiell keinen 'Juden aufnimmt... Endlich trat bei Gelegenheit eines größeren Wohltätigkeitsbasars die Ortsgruppe des Central- Vereins ,mit einer kräftigen Zeitungspolemik in die Schranken. Mit einem Male änderte fick) das Bild und die maßgebenden Kreise stellten bei jedem Anlaß fest, daß es drei Konfessionen gibt. So auch dieser Tage bei dem Jubelfeste, das das rheinische Infanterieregiment Ar. 28 aus Anlaß seines hundertjährigen Bestehens feierte. Die Kommandantur bat den Gemeindevorstand um Anberaumung eines Festgottesdienstes in der Synagoge, welcher Bitte natürlich gern entsprochen wurde. Wir stellen ohne Selbstüberhebung mit Genugtuung fest, daß dieser Festgottesdienst nach dem Arteil der jüdischen und der christlichen Teilnehmer sehr erhebend war. In formvollendeter, von innerer Begeisterung getragener Rede wandte sich Herr Prediger Huhn an die stattliche Zahl alter Achtundzwanziger, gab in trefflichen Worten dem Danke Ausdruck, den wir Juden unserem Vaterlande schulden und erneuerte das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue zu Kaiser und Reich. Daß der älteste Veteran des Regiments, ein Iut)e, allüberall ganz besonders gefeiert wurde, versteht sich von selbst; wir möchten sogar behaupten, daß in solchen Momenten der angebliche Antisemitismus im deutschen Heere jedesmal eine arge Schlappe erleidet, ärger als alle ReichstagsdebatLen über die Zurücksetzung der Juden im Heere sie Hervorrufen können.... „Wehre dich deiner Haut und bleibe nicht immer im Schatten stehen...“ zurufen möchten wir das alles denen, die teilnahmslos beiseite stehen und sich an den Zerwürfnissen zwischen Centralverein und Zionismus weidlich ergötzen, statt bei passenden Gelegenheiten deutlich kundzugeben, daß wir Deutsche sind und nichts anderes... deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens!! 4- Baö Soöen am Zannns, 1. Juli. Der bekannte Hotelier Laaß aus Frankfurt, sowie der deutsch-soziale Generalsekretär Henning sen aus Hamburg haben hier vor einigen Wochen eine antisemitische Propagandaversammlung abgehalten. Herr Henningsen machte bald die Erfahrung, daß die Zuhörerschaft in dem überfüllten Saal des-Frankfurter Hofs mit steigender Skepsis feinen ebenso oft gehörten wie widerlegten Phrasen folgte. Von allen Seiten ertönten Zwischenrufe und wiederholt zog der „Generalsekretär^ seine unhaltbaren Behauptungen im Handumdrehen zurück, und als er endete, rührte sich kaum ein Dutzend Hände. Aach einer Pause legte ein Vertreter der Sozialdemokratie dar, daß der Kapitalismus Gemeingut aller Rassen sei; die Juden seien nicht schuldiger als die übrige Bevölkerung. Darauf wies der lodener Arzt Dr. Rothschild nach, daß Juden gerngesehene Gäste in Soden seien und von der Verwaltung, den Kurpensionen- und Hotelinhabern sowie den Sodener Aerzten der Versuch der Antisemiten, sich hier einzunisten, nicht geduldet würde. Aur durch Aeberrumpelung seien die Herren in den Besitz eines Saales gelangt. Der Vorsitzende des Sodener Hoteliervereins habe es ausdrücklich abgelehnt, daß Mitglieder seines Vereins die Kur und hie Interessen

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