Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Die Juden und der Freiheitskrieg 1813 [Rezension]
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 279 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 279 1812 ihrer rechtlosen Lage ein Ende machte. Auf den höhnenden Ausruf „Ohne Napoleon faßten Sie noch im Ghetto!" entgegnete -der Vortragende vom Standpunkte des Deutschen und des Juden mit berechtigtem Stolze, ,sdaß dann die Teilnahme der preußischen Juden an dem Kampfe gegen Napoleon zur Befreiung des Vaterlandes, das ihnen Jahrhunderte hindurch kein Va t e r la nd sein w o l l te, um so h er o is che r er s ch ei n e!" Wie zur Zeit der Befreiungskriege die Juden ihre Liebe zu dem neu gewonnenen Vaterlande betätigt haben, hat Dr. Levy so warmfühlig und überzeugend dargelegt, daß seine Schrift in hohem Grade geeignet erscheint, christliche Leser von Vorurteilen zu befreien, jüdische Mit frohem Selbstbewußtsein zu erfüllen und in dem Entschluß zu bestärken, sich immer inniger an das Vaterland anzuschließen und sich stets der vollständigen Gleichberechtigung würdig zu erweisen, die uns von einem gerechten Kulturvolke auf die Dauer nicht vorenthalten werden kann. A. L. Aus meiner Jugend. Autobiographie von M. Lazarus, tzerausgegeben von Nahida Lazarus. Verlag von I. Käuffmann, Frankfurt a. M. 1913. Preis 2,50 Mk. Am 13. April sind zehn Jahre vergangen, seit Professor Dr. Moritz Lazarus, der unvergeßliche Meister der Völkerpsychologie, das Zeitliche segnete. Zu diesem Gedenktage hat seine begabte Witwe unter Beihilfe der Rabbiner Dr. A. Tänzer und Dr. A. Lazarus seine im Manuskript vorhandene Autobiographie als Gedenkschrift veröffentlicht. Damit hat Nahida Lazarus allen, die ihrem Gatten, wie ich selbst, im Leben näher traten, eine Herzensfreude bereitet und vielen Verehrern feines wissenschaftlichen Wirkens wertvolle Mitteilungen verschafft. Sie hat durch die getreue Schilderung des Werdegangs eines Gelehrten, der im besten Sinne ein echtdeutscher Kulturträger gewesen ist und dabei nie sein jüdisches Herz und seine Vertrautheit mit dem jüdischen Schrifttum verleugnet hat, ein Familienbuch geschaffen, das in jüdischen Häusern als Bereicherung des Bücherschatzes betrachtet zu werden verdient. Insbesondere ist der erste Abschnitt ,,Im Eltern hause" auch von pädagogischer Bedeutung. Er liefert den Beweis dafür, daß der Vater, der seinen jungen Sohn nicht nur zu wissenschaftlichen Studien, sondern auch zur Handwerkstätigkeit, nicht nur zur Frömmigkeit, sondern auch zur Wertschätzung Andersgläubiger anhielt, entweder durch das Erziehungsbuch ,,Emile" oder durch Campes Bearbeitung des „Robinson" von Defon, von Rousseauschen Anschauungen durchdrungen, aus Moritz Lazarus keinen Stubengelehrten machen wollte, sondern einen ganzen, har-