Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 186 (sequence 14)
- Language
- German
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1»6 Im deutschen Reich. — In den „Hamburger Nachrichten" vom 7. Januar stand folgendes Inserat: „Für ein aufstrebendes Geschäft der Druck- und Papierbrauche wird zum baldigen Eintritt ein wirklich tüchtiger und fleißiger Mitarbeiter, möglichst in Hamburg und Amgegend eingeführt, als Reisender gesucht. Deutsch-national e werden bevorzugt. Israeliten und sonstige Ntchtdeutsche finden keine Berücksichtigung. Angebote erbeten mit Angabe der innegehabten Stellungen und mit Zeugnisabschriften und mit Angabe des verlangten Gehalts unter R. D. 7702 an die Expedition dieses Blattes." Wir haben der Redaktion der „Hamburger Nachrichten" mitgeteilt, welchen mißlichen Eindruck diese Anzeige gemacht hat, und darauf von dem Expeditionsvorsteher nachfolgenden Bescheid erhalten: „Infolge Anpäßlichkeit war ich vom 5. bis 10. d. M. nur stundenweise im Geschäft. Die Aufgabe fraglicher Anzeige geschah in meiner Abwesenheit und gelangte ohne mein Wissen in di« Setzerei. Wäre mir die Anzeige vorgelegt worden, so hätte ich den Wortlaut dieser Anzeige teilweise beanstandet. In der vorliegenden Fassung hätte ich die Anzeige nicht ausgenommen. Die Aufnahme der Anzeige ist also nur einem Zufall zuzuschreiben und sollte absolut keine Spitze gegen Ihren Verein oder deren Mitglieder haben. Ich habe meinem Personal strenge Anweisung gegeben, damit derartige uns unliebsame Vorfälle für die Folge unmöglich werden." — Der Lübecker Bürgerschaft hat kürzlich ein Senatsantrag aus Anterstützung einer dortigen höheren Töchterschule Vorgelegen, die keine Jüdinnen aufnimmt. In geeigneter Weise ist deshalb von unserer Lübecker Ortsgruppe darauf hingewiesen chorden, daß seinerzeit die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung einen Antrag auf Subventionierung einer höheren Mädchenschule, in der Jüdinnen keine Aufnahme finden konnten, grundsätzlich abgelehnt hat. Es wurde dadurch der erfreuliche Erfolg erzielt, daß die Lübecker Schulvorsteherin sich einem unserer jüdischen Bürgerschaftsmitglieder gegenüber strikt verpflichtet hat, in Zukunft keinerlei konfessionelle Unterschiede mehr zu machen. Die Subvention wurde zwar von der Bürgerschaft, wenn auch nur mit ganz knapper Majorität genehmigt, der Senat hat aber im Vertrage mit der Vorsteherin für die Aufnahme der Schülerinnen die Bedingungen der städtischen Schulen bzw. der Oberschulbehörde, die keine konfessionelle Unterschiede kennt, vereinbart. Unsere Ortsgruppe wird natürlich die Sache tat Auge behalten. Für die Wäscheabteilung ihrer Arbeitsstube sucht die Firma Eduard Schnitze in Görlitz, die eine große jüdische Kundschaft hat, durch ein auffallendes Inserat eine christliche Dame.