Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Prag
- Date
- 1913-02-01
- Page
- 78 (sequence 2)
- Language
- German
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7S Im tviiijc^en Reich. daß das Mädchen in das Haus des Schnittwarenhänvters Siegmund Bergmann gegangen, es aber nicht mehr verlassen habe. Bach fünf Tagen kehrte das Mädchen zurück. Es ijt wahrend dieser Zeit bei seiner Schwester in Kripau bei Chiesch gewesen, der es ahne Wissen und Einwilligung der Eltern einen Besuch abgestattet hatte. * Oldenburg, Groß!)., 21 Januar. Da die bekannten Flugblätter des Hammerbundes in letzter Zeit auch in unserer Stadt an den Straßenecken zur Verteilung gelangten, versuchte Herr Landesrabbiner I)r. Mannheimer diesem Ilnfuge dadurch in unaufdringlicher Form entgegenzutreten, daß er im Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur einen Vortrag über den „Talmud" ankündigte, zu welchem in einer Lokalnotiz der hiesigen Zeitungen auch Nichtjuden zum Erscheinen eingeladen wurden. Der Erfolg war überraschend. Hunderte von Christen aus allen Kreisen der Bevölkerung, Professoren, Direktoren und Schüler der höheren Schulen, Stadtverordnete, Landtagsabgeordnete usw. wur-n anwesend, so daß der große Saal des „Kaiserhof" bis auf den letzten Platz distt gefüllt war. Der Chefredakteur von Busch, der persönlich zugegen war, schildert in den „Nachrichten für Stadt und Land" den Eindruck dieses Vortrages in folgenden Worten: „Im Jüdischen Literaturverein hielt der Landesrabbiner Dr. Mannheimer gestern einen sehr interessanten Vortrag über den Talmud. Der Ruf des Vortragenden und der Charakter seines Themas hatten auch viele Nichtjuden angezogen, so daß der Kailerhofsaal dicht besetzt war. Durch seine lebendige, bilderreiche, warmherzige Ausdrucksweise fesselte I)r. Mannheimer seine Zuhörer, die wohl ausnahmslos dankbar zuhörten, wie immer, urrd er gab ihnen in seinen Ausführungen eine Fülle von Belehrung und Anregung. Er nannte den Talmud den Lebensnerv des Judentums und entkleidete ihn durch seine poetischen und geistvollen Aufklärungen völlig seines schaurigen, mystischen Charakters. Der Aeberblick über seine Entstehung und inhaltliche Zusammensetzung ließ manche Vorurteile schwinden; es wurde vieles klargelegt, was zu den furchtbarsten Mißverständnissen geführt und den Feinden der Juden immer wieder Waffen in die Hand gegeben hat. Daß der Talmud die Heimat, das Panier des Judentums ist, die Schule seines Geistes und die Ausbildung seiner Verstandesanlagen, das wurde nach Dr. Mannheimers Darlegungen erklärlich. Er brachte aber auch eine reiche Blutenlese der alten Weisheit, der dichterischen Schönheit und der wissenschaftlichen Bedeutung des Talmuds vor. Nur böswillig aus dem Zusammenhang herausgerissen, können die Lehren des alten Buches als verbrecherische jüdische Geheimlehre aufgefaßt und als Agitations-