Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Köln
- Date
- 1913-02-01
- Page
- 77 (sequence 2)
- Language
- German
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KorrefpAndenzen. 77 Angriffen Stellung, indem er u. a. ausführte: Und nun gestatten Sie mir, daß ich mich noch gegen einen Angriff tuende, den Sie wohl alle ebenso entschieden mißbilligen wie die herzogliche Staatsregierung selbst. Er stammt von antisemitischer Seite. — — — Von derselben Seite sind auch in den Weihnachtstagen häßliche Angriffe gegen die Verhältnisse an unserem Hofe, in unserem Staate, gegen einen Mann, der sich seit einem Menscheualter die größten Verdienste in unserer Residenz erworben hat, sowie gegen die pflichttreue Geistlichkeit, die in Stadt und Land segensreich wirkt, erhoben worden. Diese Angriffe sind so absurd, daß es sich nicht lohnt, naher auf sie einzugehen, aber ich halte es doch für eine Ehrenpflicht, von dieser Stelle aus aufs entschiedenste gegen sie zu protestieren, und zwar selbst auf die Gefahr hin, daß auch mir der Vorwurf eines jakobitischen Aussehens und serviler Gesinnung gemacht wird." Die deutsche Antisemitenpresse beklagt den Rücktritt des französischen Kriegsministers Millerand, der sich durch die Wiedereinstellung des Hauptschuldigen in der Dreyfus-Affäre, Oberstleutnant du Paty de Clam, in die Armee bei der republikanischen Partei unmöglich gemacht hatte, und stellt den Vorgang als „eine neue Kraft- und Machtprobe der Iudenfchaft" hin. Einer solchen bedurfte es nicht. Der Pariser Korrespondent der „Köln. Ztg." berichtet, daß dem französischen Kriegsminister von der Mehrheit seiner Kollegen der Rücktritt nahegelegt wurde. Die „Köln. Ztg." fügt hinzu: „An welchen Fäien oft die Geschicke. der Völker hangen! Die Verurteilung desi armen Juden Dreyfus führte geradenwegs zu der gefährlichsten Krise, welche die Republik seit ihrem Bestehen durchzumachen halt?, und weiter geradezu zu der Austreibung der Orden, zu dem Zerwürfnis der Republik mit dem Vatikan und zur Trennung von Staat und Kirchen in Frankreich — in unmittelbarem ursächlichen Zusammenhänge dieser Ereignisse wie in den Gliedern einer Kette. Und nochmals nimmt der Jude Dreyfus seine Vergeltung für das an ihm begangene Unrecht, indem er durch einen der Urheber und Mitschuldigen hieran, durch du Paty de Clam, die Zirkel der Präsidentenwahl stört." präg, 2. Januar. Unter der Ueberschrift: „Wie ein Ritualmordmärchen entsteht" berichtet die Zeitschrift „Bohemia": Vor kurzer Zeit ereignete sich in Retschetin folgender Fall: Das dem Brauhauskutscher Habla im nahen Preitenstein gehörige, etwa fünfzehnjährige Mädchen ging Sonntags in die Kirche nach Retschetin. Da das Mädchen abends noch nicht zurückgekehrt war, ging man es suchen; trotz eifriger Nachforschung konnte es. jedoch nirgends gefunden werden. Die Fama sprach gleich von einem „Ritualmord", und Leute wollten sogar gesehen haben,