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Im deutschen Reich · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. 76

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Neuruppin
Date
1913-02-01
Page
76 (sequence 2)
Language
German
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76 Im deutschen Reich. suchte höflich um den Namen des Schreiers. Totenstille! Nachdem er in ruhiger Weise seine Bitte wiederholt barte und ihm abermals keine Antwort geworden war, sagte er etwa folgendes: „Bisher wäre es bei einem preußischen Offizier üblich gewesen, wenn er irgendeine Beleidigung ausgestoßen hätte, auch den Mut dazu zu besitzen, sich zu seiner Aenßerung zu bekennen." Wiederum wurde ihm nichts entgegnet. Oer betreffende Herr hat sich nun darauf sofort drahtlich beschwerdeführend nach Brandenburg (Havel) gewendet. Die Folgen dieses Schrittes blieben denn auch nicht ans. Er wurde kurze Zeit spater von dem hiesigen Regimentskommandeur in der Angelegenheit vorgeladen. Auf den Hinweis, daß es wohl angebrachter gewesen wäre, den Fall der maßgebenden Reu-Ruppiner Stelle zu melden, erwiderte der Beleidigte: „Das hatte wahrscheinlich wenig Zweck gehabt, denn in früheren Jahren wären derartige Beschwerden einfach unter den Tisch gefallen." Mit der Sache hat sich, wie. wir aus unanfechtbarer Ouelle vernehmen, bereits der Ehrenrat beschäftigt. Duisburg, 10. Januar. Bor einiger Zeit wurde die Ortsgruppe Duisburg gebeten, festzustellen, ob die' Firma Schröder & Baum in Essen, die Inhaberin der hiesigen Firma I'. & C. Wolf ist, antisemitischen Grundsätzen huldigt. Während Ermittelungen angestellt wurden, hat die Firma Kenntnis von dem gegen sie erhobenen Verdacht erhalten und in mehreren Briefen erklärt, daß sie es als schwere Beleidigung empfinde, wenn man ihr antisemitische Gesinnung zutraue. Ihr Inhaber habe stets die guten Eigenschaften der jüdischen Mitbürger besonders anerkannt und geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen zu Juden unterhalten. Diese Angaben sind durch unsere Erkundigungen als durchaus zutreffend erwiesen. Da die Angelegenheit über den K^reis unseres Ortsgruppenvorstandes hinaus bekannt geworden ist, betrachten wie es als unsere Pflicht, der Gesamtheit unserer Mitglieder von dem Ergebnis unserer Ermittelungen Mitteilung zu machen. x Köln, 13. Januar. Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Ko bürg berichtet: „In antisemitischen Blättern war dieser Tage ein Artikel erschienen, in dem es u. a. heißt: „Sonst aber steht in Koburg alles gut. Der Oberbürgermeister der Residenz stammt aus Hessen, heißt C. hirschfeld und ist . . . evangelisch. Der Leibarzt des Herzogs ist mit einer Jüdin verheiratet. Die hohe Geistlichkeit setzt sich in einer Weise zusammen, daß man glauben könnte, ein Rabbinatskapitel vor sich zu haben. Don dem Personal des Hoftheaters ist reichlich die Hälfte jüdisch." Gelegentlich der Beantwortung einer Interpellation über die Rückkehr Dr. Colmers' im koburgischen Landtage nahm der koburgische Ministerialchef Staatsrat v. Bassewitz zu diesen

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