Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Antisemitische Roheit
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 43 (sequence 1)
- Language
- German
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Vücherschau. 43 Antisemitische Aoheit. Bei der Besprechung eines Studentenkrawalls, bei dem in D a r m st a d t ein junger jüdischer Student erstochen worden ist, haben sich am 16. November die „Deutschsozialen Blätter" in nachstehender Weise geäußert: „And daß sie dann dem Juden gehörig zusetzten und daß dieser den Tod fand, ist gewiß schlimm, aber zu begreifen ist es durchaus. Ja mancher würde es geradezu als einen unerfreulichen Busgang empfinden, wenn der Jude ganz heil und froh den Kampfplatz verlassen hatte. And wenn unsere Regierung nicht dafür sorgt, daß die Juden nicht so massenhaft auftreten können, was diese Gesellschaft überall unverschämt macht, dann gehört nicht viel dazu, solche und vielleicht noch schwerere. Zusammenstöße auch für die Zukunft vorauszusagen." Dazu bemerkt die „Frankfurter Zeitung": „Was dem Antisemitenblatt nach der Befriedigung, die es über den Darmstädter Fall offenbar empfindet, gar nicht unangenehm wäre. Jedenfalls dürfte man sich nicht wundern, wenn seine Besprechung des Falles, die als verschleierte Aufforderung an die Studentenschaft, es dem Darmstädter Messerhelden gleichzutun, anzusprechen ist, auf unreife junge Leute ihre Wirkung ausübte." * Bücherschau. Ioöl Gern, der Werdegang eines jüdischen Mann e s. Bon K o p i. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt am Alain. Preis 1,20 M. Einen interessanten Lesestoff haben stets solche Bücher gegeben, in denen ein geist- und gefühlvoller Schriftsteller das Erzeugnis seiner Selbsterkenntnis in ungeschminkter Weise entrollt, sein eigenes Ich ohne Aeberhebung in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt und ohne aufdringliche Lehrmeisterei sein Werden und Wollen den Lesern in der Absicht darlegt, damit sie aus solchen Erfahrungen für das Leben Nutzen ziehen möchten. Der von Kopi geschilderte Werdegang eines jüdischen Mannes ist dazu besonders geeignet. Die Entwicklung des späteren Rabbiners einer kleinen süddeutschen Gemeinde, Joel Gern, der in den Aeberlieferungen der Ghettozeit aufwächst, dann, von den Strömen der Neuzeit und jugendlicher Leidenschaften umtobt, an sich selbst zweifelt und ruhelos wird, schließlich aber durch die Rückkehr zur engumfriedeten Heimat, durch schlichte Frömmigkeit, herzerquickende Häuslichkeit