Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- K. M., Rostock
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 42 (sequence 2)
- Language
- German
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42 Im deutschen Ncich. Notizen sind uns keineswegs aus Streifen des yansabnndes zugegangen, sondern auf Klagen jüdischer Bewerber zurückzu» führen. Die antisemitische Darstellung des Sachverhalts ist eine einfache Verdrehung. Wer boykottiert denn hier? Doch wohl die Finna, die..jüdische Bewerber samt und sonders ausschließt. Wenn jüdische Käufer von derartigen Gepflogenheiten in Kenntnis gesetzt werden, nennt die .Antisemiten-Presse dies „eine un* erhörte Anmaßung"; wenn aber Juden boykottiert werden, dann gilt ihr dies als „eine nationale Tat". Das ist des öfteren ungeschminkt ausgesprochen worden, z. B. in einem bündlerischen Flugblatt: „Geben wir uns das Wort, unsere Einkäufe nur in Geschäften zu machen, deren Inhaber nicht gegen uns agitieren, berücksichtigen wir nur solche, über deren konservative, antisemitische, nationale Gesinnung kein Zweifel besteht. Das ist die Pflicht jedes Patrioten, jedes christlichen Deutschen." & Vermischtes. Blüten bts Antisemitismus. Bei der Wiederherstellung der evangelischen Kirche in Gcorgenhausen in Hessen wurde zur Erinnerung an die Kriegs- Veteranen von dem Feldzug ^870/71 eine Gedenktafel, worauf sich sämtliche Namen der Kriegsteilnehmer befinden, angebracht. Es hat nun namentlich in den Kreisen alter Krieger unliebsames Aufsehen erregt, daß der Name des jetzt noch lebenden Nathan Schack, der Israelit ist, auf der Tafel fehlt. Diese übel angebrachte antisemitische Manifestation, die den Protest des Kriegervereins hervorruft, ist, wie erzählt wird, auf den Ortspfarrer zurückzuführen, der die Weglassung des jüdischen Veteranen damit begründete, daß „der Name eines Juden nicht in eine protestantische Kirche gehöre". Der „Nordhalbener Grenzbote" (Publikationsorgan für den bayerischen Amtsbezirk Nordhalben) veröffentlicht diesen Bericht unter der Ueberschrift „Blüten des Antisemitismus" und fügt hinzu: „Nichts ist blöder und engherziger als die Juden Hasserei. Moderner Geist spannt seine Flügel weit genug — hebt seinen Flug hoch'genug, um aller Engigkeit zu entfliehen. Es ist doch ganz egal, ob man Christ oder Iud, Heide oder Türke ist — wenn man nur sein Menschenanilitz ehrlich zeigen kann. Der Jude hat Anspruch , auf Hochachtung seitens seiner Mitmenschen. Nirgends aber wird der Judenhaß kräftiger geschürt als in orthodoxen Klerikerkreisen, was das eben erzählte Georgenhausener Stücklein beweist."