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Im deutschen Reich · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. 424

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Article
Die Goldschilds [Rezension]
Date
1912-11-01
Page
424 (sequence 2)
Language
German
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424 Im deutschen Reich. Leser, die Gelegenheit haben, in Wiener Finanzkreisen zu verkehren, die Originale unschwer wiedererkennen werden. Aber diese treffenden Einzelgemälde sind keineswegs dazu geeignet, als allgemeine oder sehr häufig vorkommende jüdische Typen zu gelten. Noch weniger können die Schicksale und Erfahrungen der „Goldschilds" dazu dienen, überzeugende Hinweise auf eine künftige Lösung der Iudenfrage zu bieten, sondern nur mehr oder minder sympathische Charaktere und Erlebnisse, die ähnlich auch, und vielleicht noch häufiger, in nichtjüdischen Kreisen Vorkommen, und in so talentvoller Darstellung als ein anregender, fesselnder Lesestoff erscheinen. Wehr ist daraus weder für Freunde noch für Feinde des Judentums zu entnehmen als die lieber* zeugung, daß auch der Verfasser dieses Romans nicht imstande war, eine bestimmte Stellung der schwierigen Iudenfrage gegenüber einzunehmen. Wie die „Rothschilds" in den „Fünf Frankfurtern" zwar einem Stamm entsprossen und als Kinder einer edlen Jüdin mit den verschiedensten Charaktereigenschaften dargestellt werden, sind auch die Mitglieder der Familie „Goldschild" so verschiedenartig, daß sie weder körperlich noch geistig gleiche Rassenmerkmale aufweisen. Für den Rassen-Antisemitismus bietet deshalb die Geschichte der Goldschilds keine Handhabe, für den religiösen ebensowenig. Wie der katholische Pfarrer von Siegling trotz seiner Abstammung dem katholischen Priestertum, so gereicht auch der Arzt Dr. David Goldschild, wenn auch nicht im strenggläubigen Sinne, durch Charakterstärke und Gefühlswärme dem Judentum zur Ehre. Die rücksichtslose Streberei Fsak Goldschilds, der über Leichen hinweggeht, kann aber nur von eingefleischten Antisemiten als eine jüdische Eigenart betrachtet werden; denn ähnliche traurige Erscheinungen wird jeder Unparteiische leider nur zu oft bei vielen Personen der verschiedensten Abstammung und Bekenntnisse gefunden haben und es als eine lahme Entschuldigung ansehen, wenn von antisemitischer Seite das häufige Vorkommen nichtjüdischer Streber immer mühselig auf den nur in der antisemitischen Phantasie vorhandenen mächtigen jüdischen Einfluß zurückgeführt wird. Aehnlich verhält es sich mit der von dem Fürsten Wrede nebenher erwähnten instinktiven Abneigung des Ariers gegen die Semiten. Die nach dem Verfasser dem jüdischen Arzte vorschwebende Möglichkeit der Lösung der Iudenfrage durch den Zionismus bildet den Abschluß des Buches, läßt aber unbefriedigt, weil sie nicht deutlicher begründet und mit der vorausgegangenen Charakterschilderung David Goldschilds nicht in Einklang zu bringen ist. AlphonseLevy.

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