Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 406 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 406 bereitungsdienst vor dessen Beendigung unterbrochen, um die Leitung einer auswärtigen israelitischen Schule zu übernehmen. Hätte er die beiden Probejahre ordnungsmäßig absolviert, so wäre er, da er ein vortreffliches Oberlehrerzeugnis hatte und bis dahin praktisches Lehrgeschick an den Tag legte, wie jeder andere Oberlehrer befördert worden. Ob die Oberschulbehörde jüdischen Oberlehrern das Recht einräumen wird, am Sonnabend nicht zu unterrichten, vermag ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Sie würde zu dieser Frage Stellung nehmen müssen, denn der Kandidat, den ich hier im Auge habe, ist während des Vorbereitungsdienstes am Sonnabend der Schule ferngeblieben." Bach weitere Verhandlungen wurde der vorerwähnte Antrag in folgender Fassung mit 55 gegen 49 Stimmen angenommen. „Der Zentralausschuß hamburgischer Bürger- Vereine ersucht die Oberschulbehörde, bei der Besetzung von Oberlehrerstellen an den höheren Staatsschulen weder jüdische noch katholische Bewerber bei genügender Qualifikation von der Anstellung grundsätzlich auszuschließen." — Die Ausführungen des Herrn Schulrat Brütt sind inzwischen bereits durch Veröffentlichungen abgelehnter jüdischer Bewerber bestritten worden und werden zu weiteren Maßnahmen führen. — Wie das „Hamburger Fremdenblatt" berichtet, hat in einer dieser Tage von dem Hamburger Protest a n te n v e r e i n veranstalteten Vortr-agsverfammlung Herr Pfarrer Heyn, Mitglied des deutschen Reichstages, das Thema „Religion und Politik" behandelt und dabei gesagt: „Auch die protestantische Kirche hat sich nicht immer von der Verquickung der Religion mit der Politik freigehalten. Der Antisemitismus, der an die rohen germanischen Volksinstinkte appelliert, Gesetz und Verfassung beugt und sich dabei ein. christlich-nationales Mäntelchen umhängt, ist noch heute eine S ch m a ch". Nachdem der Redner die Frage untersucht hatte, ob ein Pastor Politik treiben dürfe, und zu dem Ergebnis gekommen war, daß er dazu zweifellos das staatsbürgerliche Recht besitze, aber für ihn in ganz besonderem Sinne die Forderung gelte, im politischen Kampfe nur geistige und vornehme Waffen zu gebrauchen, legte er dar, daß die Verquickung zwischen Religion und Politik am sichersten durch Entkirchlichung des Staates und Entstaatlichung der Kirche verhütet werde. □ Frankfurt am Main, 1. Oktober. Die „Frankfurter Zeitung" hat siö n erschöpfender Weise über den Aerztemangel im Heer geäußert und darauf hingewiesen, daß der Mangel an Sanitätsoffizieren schon sein Jahren vorhanden ist. Sie berichtet: „Es gibt Infanterie-Regimenter