Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Jüdische Arbeiter in Deutschland
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 395 (sequence 4)
- Language
- German
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Am schau. 395 Juden lag, daß „das Volk der Krämer" gerade hier Verhältnis - mäßig das größte Kontingent an Selbständigen und Angestellten aufbrachte. Es macht sich aber seit 1895 eine Verschiebung dahin geltend, daß, die Juden im Verhältnis zur Gesamtvermehrung der Erwerbstätigen in diesen Gewerben bei den Selbständigen einen Rückgang, bei den Angestellten und Arbeitern ein Anwachsen zu verzeichnen haben. — Zweck dieser Ausführungen ist, zu zeigen, daß auch in Deutschland in der Landwirtschaft und in der Industrie, wie im Handel und Verkehr jüdische Arbeiter in einem Maße, das die Erwar un^z.i der meisten übertreffen dürfte, vorhanden sind, daß ferner die Zahl der Arbeiter, die sich in Berufen, die in besonderem Maße körperliche Kraft erfordern, betätigen, unter den deutschen Juden in stetigem Wachsen begriffen ist. Umschau. ^k^ie Bemühungen der Leiter der auswärtigen Politik, den Weltfrieden durch das Gewicht der Machtstellung Deutschlands zu sichern, sind solange erfolgreich gewesen, als die von Ausdehnungsgelüsten erfaßten europäischen Mächte einerseits an die Friedensliebe Deutschlands glaubten, andererseits dem Reiche den Willen uno die Kraft zutrauten, jeden Störer des Weltfriedens zur Vernunft zu oringen. Leider ist diese Tätigkeit des Auswärtigen Amts in den letzten Jahrzehnten durch die im Ausland Mißtrauen und Haß erregenden chauvinistischen (Quettzei&eveien alldeutscher Rassenfanatiker vielfach gehemmt worden. Der Dreibund, eine Schöpfung des Fürsten Bismarck, hat nicht verhindert, daß durch die auf russischen Beistand rechnenden kleinen Balkanstaaten die orientalische Frage aufgerollt worden ist. Besitzt die deutsche Staatsregierung die Initiative und den Einfluß in dem europäischen Konzert, den Krieg auf der Balkan-Halbinsel zu lokalisieren, mm die wirtschaftlichen Schäden, die Deutschland bereits dadurch erlitten hat, nicht riesig anwachsen zu lassen? Bei ihren Bemühungen, weiteres Unheil zu verhüten, werden sich sicher die deutschen Juden in dieser schweren Zeit als treue Staatsbürger bewähren, denn sie scheuen kein Opfer an Gut und Blut, wenn es das Wohl des Vaterlandes gilt.