Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- Berthold Auerbach. Ausgewählte Werke [Rezension]
- Date
- 1912-10-01
- Page
- 476 (sequence 2)
- Language
- German
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476 Im deutschen Reich. Der 28. Februar dieses Jahres, der 100. Geburtstag Berthold Auerbachs, hat allerwärts in Deutschland die Erinnerung an den Dichter wieder lebendig gemacht, und an vielen Stätten ist seiner Bedeutung insbesondere für die Dorfgeschichte gedacht worden. Auch an den bitteren Schmerz seiner letzten Lebensjahre, den ihm das Aufkommen jener Bewegung bereitete, die ihm seine höchsten Güter, sein Deutschtum und seinen Ruhm, ein deutscher Dichter zu sein, rauben wollte, ist erinnert worden. Das neu erwachte Interesse für Auerbach hat dem Verlage von Paul Oestergaard, Berlin, Anlaß gegeben, den Volksdichter in einer Volksausgabe weiteren Kreisen zugänglich zu machen und Auerbachs beste Erzählungen in einer Auswahl-Ausgabe den Lesern zu billigem Preise zugänglich zu machen. Der erste Band enthält Schwarzwälder Dorfgeschichten, voran das herrliche „Barfüßele", dann eine Anzahl der kurzen, lebensvollen Schilderungen der Schwarzwaldbauern, die den Dichter zuerst bekannt und berühmt gemacht haben und die noch heut durch ihre Frische und Natürlichkeit wirken; wir nennen davon „Tolpatsch", „Die Kriegspfeife", „Tonele mit der gebissenen Wange", „Befehlerlos".' Von den großen Romanen Auerbachs ist „Das Landhaus am Rhein" ausgenommen, das im zweiten und dritten Band enthalten ist, auch diese Erzählung ist noch heute fesselnd durch die sozialen Probleme und die Erziehungsfragen, die hier erörtert werden. — Der billige Preis wird hoffentlich die Verbreitung der Werke des Dichters wesentlich fördern. Berlin, September 1912. I. S. — Aeußerungen von Sombart, Erzöerger, Rauwann, Weber, Wedekind, Ewers, Wann, Köhler, Mauthner, Rordau, Geiger, Bahn, Maybaum, Rordhaufen, Dehmel und namhaften Professoren deutscher Universitäten. Georg Müller, Verlag, München 1912. Preis 2 M. Dr. A. Landsberger hat zu der vorliegenden Sammlung von Aeußerungen das Vorwort geschrieben. Er stellt in drei Haupt- und mehreren Anterfragen die Frage nach dem voraussichtlichen Schicksal der Juden: Assimilation? Verwirklichung der zionistischen Idee? Eintritt von Konflikten bei Beharren im gegenwärtigen Zustande? (In Parenthese sei dabei der Verwunderung Ausdruck gegeben, daß ein jüdischer Schriftsteller heute noch das vom Standpunkt der Würde zurückzuweisende Wort „judenrein" anwendetä Sombart antwortet in der Zusammenstellung der Aeußerungen als erster. Sein Standpunkt ist in dem Büchlein „Die Zukunft der Juden" näher ausgeführt. Verwunderlich ist, daß er nur zionistische anftechte Inden kennt.