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Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 383

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
Für die Veteranen
Date
1912-07-01
Page
383 (sequence 2)
Language
German
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Eingesandt. 383 baten den Krieg 1870/71 mitgesochten; 448 von ihnen fielen 'ober wurden verwundet, und 373 erhielten das Eiserne Kreuz oder eine gleichwertige Auszeichnung aus anderen Bundesstaaten. Diese Zahlen dürsten ohne weiteren Kommentar für sich sprechen. Als die jüdischen Soldaten von dem Kampfe für ihr Vaterland in die Heimat zurückkehrten, hatten schwere Verwundungen und durchgemachte Strapazen bei vielen eine dauernde Einbuße ihrer Erwerbssähigkeit hinterlassen. Aus dieser alten Harde sind nur noch wenige vorhanden, und diese wenigen leiden zum Teil bittere Bot. Der Staat übernimmt ja einen Teil der Fürsorge, aber in so gänzlich unzureichendem Grade, daß die Veteranen — ohne Unterschied des Glaubens — oft schwer zu kämpfen haben und sich in überaus gedrückten Verhältnissen befinden. And das gilt ganz besonders von den jüdischen Veteranen, deün für sie sorgen Invalidenhäuser, Veteranenstiste usw. am allerwenigsten. Unter diesen Amständen wäre zu wünschen, daß die jüdischen Glaubensgenossen sich recht dankbar und erkenntlich zeigten. Möge man deshalb den alten und bedürftigen Veteranen, sofern sie einen niedrigen Steuersatz zu zahlen haben, Steuererlaß ohne Einschränkung des Wahlrechts gewähren; offne man ihnen die Tore der Wohlsahrtseinrichtungen, die ja in den jüdischen Gemeinden meist hervorragend entwickelt sind, recht,.recht weit und berücksichtige sre in erster Linie bei den Neuausnahmen in Altersdersorgungsanstalten, Er holungsheimen usw., damit der kleinen Zahl bedürftiger Veteranen, denen kein heiterer Lebensabend beschieden war, die letzten Jahre wenigstens erleichtert werden. Die Flucht ans ben kleinen Stabten, die im Märzheft. Seite 144 bezüglich der jüdischen Akademiker sehr anschaulich geschildert ist und für die das „Arbeitsamt" praktische Abhilfe zu finden sucht, ergreifen in den kleinen Städten leider auch Personen, die dem kaufmännischen oder dem Beamtenberufe angehören. Herr Rabbiner Dr. Goldmann wies erst kürzlich in diesem Blatte aus die üblen. Folgen dieses Verhaltens hin, und man muß tatsächlich anerkennen, daß hierdurch ein Proletariat in den großen Städten entsteht, das unter schwierigsten Verhältnissen um seine Existenz kämpst, während häufig günstige Existenzbedingungen bei vorhandenen oder neu zu gründenden Geschäften in kleinen Orten vorhanden sind; selbst die Landwirtschaft mit ihren Spezialitäten der Gemüse- und Obstverwertung ist wohl ins Auge zu fassen.

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