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Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 371

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
[Ohne Titel] / S.
Date
1912-07-01
Page
371 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Briefkasten. 371 — Im Verlage von Otto Spamer, Leipzig, erscheint in fünfter Auflage das Buch „Der Burggraf und sein Schildknappe", in welchem erzählt wird, daß ein Jude von einem Quitzow gefangen genommen wurde und bis an sein Lebensende im Turm bleiben mußte, da er das geforderte Lösegeld nicht zahlen konnte. Der Jude ist Alchimist und wird während seiner Gefangenschaft Falschmünzer. Dasselbe Gewerbe betreiben sein Sohn und Enkel, teils um Geld zu verdienen, teils um das an dem Vater bzw. Großvater begangene Anrecht durch Verbreitung falschen Geldes zu rächen. Wenn auch der Verfasser in dem Buche nicht verschwiegen hat, wie arg den Juden von christlicher Seite mitgespielt wurde, so ist die Schrift doch in hohem Maße geeignet, unberechtigte Vorurteile gegen die Juden zu erwecken, besonders bei der Jugend, für dir ja hauptsächlich das Werk bestimmt ist. Die mauschelnde Redeweise des Juden gibt einen Beweis dafür, daß, es auf eine Verhöhnung direkt abgesehen ist. Wir bitten Lehrer und Rabbiner, ihr Augenmerk darauf zu richten, daß das Buch aus den Schülerbibliotheken ferngehalten resp. entfernt wird. — Der geschäftstüchtige Spreeverlag G. m. b. tz., Berlin dl. 4, Invalidenstr. 127, hat bisher mit seinen Elaboraten wenig Glück gehabt. Der famose „Ratgeber für Syphiliskranke" und das demokratische Blättchen „Der deutsche Bürger" sind bald nach ihrer Gründung an Abonnentenschwund entschlafen. Run hat er sich auf den Antisemitismus geworfen, der 'bekanntlich die letzte Zufluchtsstätte für verkrachte Existenzen ist, und läßt allmonatlich ein Blättchen vom Stapel, dem wir entschieden zu viel Ehre antun, wenn wir seinen Namen in unserer Zeitschrift nennen. Selbst eine Warnung erscheint uns unnötig; denn einen vernünftigen Leser werden die abscheulichen Karikaturen und Albernheiten, von denen jede Nummer nur so wimmelt, abschrecken, und für einen antisemitischen Leser ist das Schlechteste eben gerade gut genug. Wie hoch der Spreeverlag die Intelligenz seiner Leser einschätzt, dafür ein kleines Beispiel. In der Mainummer erzählt ein Anonymus unter der Spitzmarke „Jüdisches Wesen" eine ganze Anzahl Räubergeschichten, in welchen als Wesensunterschied zwischen Juden und Deutschen die erschütternde Tatsache mitgeteilt wird — daß letztere „Anmassen von Bier vertilgen". Wir sind gespannt, was der Spreeverlag unternehmen wird, nachdem auch der Antisemitismus nicht die erhofften Revenuen gebracht hat. 8.

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