Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / J. P.
- Date
- 1912-05-01
- Page
- 250 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Im deutschen Reich. Eingesandt. — Es ist eine betrübliche Erscheinung, daß. Redakteure von Witzblättern, die sich dagegen verwahren, mit antisemitischen Scherzen ihre Leser zu ergötzen, es sich nicht versagen können, hie und da Gedichte zu veröffentlichen, welche keinen anderen Zweck haben als den, dem Geschmack ihres antisemitischen Publikums Rechnung zu tragen. So erschien vor einiger Zeit im „Berliner Illustrierten Vergnügungs-Anzeiger" „Wo Wo" ein Gedicht unter dem Titel „Junges Blut", welches ich Ihnen 'toegeu seines geschmacklosen Inhalts hier nicht zum Abdruck empfehlen will. Es sängt bezeichnenderweise mit den Worten an „tzerr Isaak Levy-Lilienthal" und endet in jeder Strophe mit dem Refrain: „Der Levy hat noch junges Blut." Ich schrieb der Redaktion, sie möge von weiterer Zusendung des Witzblattes Abstand nehmen, da ich keinerlei Veranlassung habe, in meinem Wartezimmer antisemitische Propaganda zu treiben und bekam daraufhin folgende Antwort, deren Veröffentlichung am Platze sein dürfte, weil sie zeigt, wie wenig Verständnis der Verlag für das Verletzende und Kränkende, das schon in der Fassung des Gedichtes für uns Juden liegt, besitzt. Er schreibt: „In Beantwortung Ihres werten Schreibens vom 20. d. M., in welchem Sie uns den Vorwurf machen, antisemitische Propaganda zu treiben, erlauben wir uns, ergebenst zu bemerken, daß uns nichts ferner liegt, als das. Das Gedicht „Junges Blut" hat eirun hebräischen Verfasser, und da wir gerade alles vermeiden, was irgendwie für jemand beleidigend wirken könnte, so überrascht uns Ihr Vorwurf ungeheuer. Wir haben es nur seines humoristisch, satirischen Inhalts wegen gebracht und haben wir auf den dabei verwendeten Ramen gar keine Bedeutung gelegr. Anstatt Levysohn hätte ebenso der Name Schulze, Müller oder Lehmann stehen können, das hätte dem Inhalt des Gedichtes keinen Abbruch getan. Solche Sachen passieren eben, und die Natur nimmt auf die Religion keine Rücksicht. Das werden Sie als Arzt gewiß am besten beurteilen können. Da uns jede Absicht einer Beleidigung gefehlt hat, so plädieren wir für „unschuldig" und glauben wir, Ihr Arteilsspruch wird danach -ausfallen." Dr. med. I. P, Redaktionsschluß dieser Nummer 22. April 1912. Verantwortlich für die Redaktion und Verlag: Alphonse Levy, Berlin. -Alleinige Inseratenannahnre: Bennigson L Ehrlich, Verlag für Wandel und Industrie, Berlin W 57. Druck: Pajz & Garleb (&. rn. b. H. Berlin W. 57