Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Breslau
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 179 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 179 der jüdischer junger Mann suchte die plumpen Ausfälle erst zu ignorieren; als aber Karns, dadurch vollends gereizt, ihn mit einer gemeinen Beschimpfung direkt anredete, verbat er sich nachdrücklichste derartige Belästigungen, worauf Karns, mit bloßen Worten nicht mehr zufrieden, zu Tätlichkeiten überging und ihn ins Gesicht schlug. Nun mischte sich auch der Bruder ins Spiel und riet dem brutalen Gewaltmenschen, sich Waschwasser für feine Hände bringen zu lassen, damit von dem „schmutzigen Iudenbengel" nichts daran kleben bleibe. Damit war aber das Mast voll. Das würdige Bruderpaar wurde von seiten der Geschäftsleitung zwangsweise aus dem Lokal entfernt und ihm das Wiederkommen strikt verboten, und in der Folge mußte es auf die Pridatklage des jungen Mannes vor dem Schöffengerichte erscheinen, das den Anhänger des Faust rechts zu achtzig, den Bruder zu fünfzig Mark Geldstrafe verurteilte. Der Verletzte empfand dies nicht als ausreichende Genugtuung, da er die Leute in keiner Weise provoziert hatte und der Exzeß ein gar zu plumper und trutaler gewesen war. Er legte deshalb Berufung ein; die vierte Strafkammer hob das erste Arteil auf, verurteilte den gewalttätigen Judenfeind zu zehn Tagen Gefängnis und erhöhte die Geldstrafe des Bruders auf hundert Mark. Eine so gänzlich unbegründete und grobe Ausschreitung wie die des ersten Angeklagten sei mit Geldstrafe nicht zu sühnen, sagte der Vorsitzende bei der Begründung des Urteils." — Der antisemitische Redakteur der „Schlesischen Morgenzeitung", Pastor Aitschke, der vor wenigen Tagen wegen Beleidigung eines Arztes in Obernigk zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt wurde, ist jetzt wiederum von dem Schöffengericht wegen öffentlicher Beleidigung durch die Presse zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Diesmal handelte es sich um einen Artikel, durch den sich ein Oberlehrer in Wohlau beleidigt gefühlt hatte. Beide Verhandlungen waren charakteristisch für die Art, wie der antisemitische frühere Pastor sich nicht nur gegen die Juden, sondern auch, gegen andere politische Gegner verhält. Das ist derselbe Herr, der seinerzeit die jüdischen Militärärzte verdächtigt hat, ohne den geringsten Beweis für seine Behauptungen erbringen zu können. H Königsberg i. Pr. Am 2. März sprach auch hier Professor S o m b a r t über „die Zukunft der Juden". Er wiederholte int wesentlichen die bekannten Ausführungen aus seinem Buche. Der Vortrag fand vor nicht übermäßig zahlreichem Publikum in dem vorwiegend christlichen Zwecken dienenden Saale des Missionshauses statt. Sehr erfreulich ist es, daß gegen den vielfach von zionistischer Seite betriebenen Sombartkultus