Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Berlin
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 178 (sequence 1)
- Language
- German
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[78 Im deutschen Reich. Korrespondenzen. H Bevlin, 21. März. Die 6. Kommission des deutschen Reichstages für das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz fuhr am 15. März mit der Beratung des § 7 fort, der die Ausnahme von Ausländern regelt. Redner der sozialdemokratischen und der fortschrittlichen Partei führten Beschwerde über die bisherige Berwaltungspraxis, die sich namentlich in Preußen den Ausin ah me anträgen jüdischer Ausländer gegenüber stark ablehnend verhalte. Der Vertreter der preußischen Regierung wies aus der Statistik die Unrichtigkeit dieser Auffassung nach und verneinte die an ihn gerichtete Frage, ob die Zentralinstanz den unteren Behörden Weisung erteilt habe, Angehörige des jüdischen Bekenntnisses strenger zu behandeln als andere Ausländer. — In der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses ist am 12. März bei der Beratung des Etats der Universitäten von fortschrittlicher Seite die von Iustizrat Bernhard Breslauer im Aufträge des Verbandes deutscher Juden verfaßte Denkschrift über die Zurücksetzung der Juden an den Universitäten zur Sprache gebracht und der Aufmerksamkeit des Ministers empfohlen worden. — Wir verweisen auf die Besprechung dieser Denkschrift in der Bücherschau dieses Heftes. — Unter der Spitzmarke „E i n zweiter glücklicher Ort" hat die „Staatsbürger-Ztg." am 6. März berichtet: „Wir brachten am Sonntag an dieser Stelle die Meldung, daß Frauen bürg sich in der glücklichen Lage befindet, keinen Juden mehr in seinen Mauern zu beherbergen. Wie uns ein Leser aus A r t e r n nun schreibt, hat auch dieser etwa 6000 Einwohner zählende Ort keinen einzigen unserer „angenehmen Mitbürger" darunter. Wie schön mag es sich in solchen Orten leben!" — Hoffentlich bereiten sich die Redakteure des Antisemiten-Moniteurs recht bald den schönen Genuß, und bringen den Rest ihrer Tage in den „judenreinen" Orten, Frauenburg, Ariern oder in Dillenburg zu, das sie nachträglich als dritten glücklichen Ort bezeichnet haben. X Breslau, 10. März. Heber die Bestrafung eines antisemitischen Roheitsaktes haben dieser Tage hiesige Blätter berichtet : „An einem Herbstabend saß. der frühere Rittergutsbesitzer Karus mit seinem Bruder zusammen bei „Kißling" und erging sich mit schallender Stimme in den wüstesten Schimpfereien über die Juden. Ein ganz in der Rahe sitzen-