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Im deutschen Reich · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. 163

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Der Streit über das Judentum
Date
1912-04-01
Page
163 (sequence 3)
Language
German
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Der Streit über bas Judentum. 163 jd>ü>cr, an einer großen Anzahl derselben gewisse gemeinsame Eigentümlichkeiten zu erkennen, sowohl an den Vorzügen, welche sie besitzen, als an dem, was sie entbehren, und die Versuchung liegt nahe, dies Besondere als jüdische Art gegenüber der germanischen zu fassen. Aber wir haben Ursache, mit Mißtrauen auch aus solche Schlüsse zu sehen, welche eine vorurteilsfreie Betrachtung dieser Eigentümlichkeiten nahe legt; denn es est menschlicher Einsicht unmöglich zu eittfd^etben, was dem Wesen der Juden an sich, immer und für alle Zeit von Vorzügen und Schwachen zugeteilt ist, und was nur deshalb häufig an ihrem Geschlecht zutage kommt, weil sie sich alle aus einer unsicheren politischen und sozialen Existenz und aus einem Bildungswege, der nod> nicht ganz der unsrige ist, heraufgearbeitet haben. Es liegt nahe, eine häufig wiederkehrende übergroße Freude au Wortwitz und sophistischer Beweisführung als letzten Reberrest einer Geistesrichtung aufzufassen, welche durch die tausendjährige Beschäftigung und durch massenhaftes Memorieren der spitzfindigen Dialektik alter Neligionslehrer in die Seele der Juden gekommen ist; aber die scholastische Weisheit des Talmud ist keineswegs eine Blüte spezifisch jüdischen Wesens, die Vedauterie de." Byzantiner und die hölzerne Scholastik mittelalterlicher Klöster haben fast genau dieselbe Methode der Erörterung, der Definitionen hervorgebracht, und diese wunderliche Bildung dauerte bei den Juden nur länger und einflußreicher; sie wurde ebensosehr durch den Hatz der Christen konserviert, als durch ihre enge Verbindung mit dem jüdischen Kultus. Es ist ferner leicht zu beobachten, daß auch dem warmen und ehrlichen Gefühl unserer jüdischen Landsleute, sehr häufig der reiche und schöne Ausdruck fehlt, und daß sie, gemütlich erregt, zwar herbes und leidenschaftliches Pathos finden, daß ihnen aber der Ausdruck inniger und schöngewogener Empfindung in Worten und Tönen, in plastischem Ausdruck, in mimischer Gestaltung besonders schwer wird, und daß sie aus der Befangenheit solcher Situation sich durch einen störenden Witz, eine kalte Resleriou zu befreien lieben. Dem armen Dawison gelang nie als Karlos in Clavigo die leijten beiden Worte seiner Nolle, die große Probe für Eharakterspieler, gut herauszubringen, und Heine, der so meisterhaft verstand, die herzinnigen Klänge des deutschen Volksliedes in moderne Empsindungsweise umzusetzen, verdarb sich oft die reinen Wirkungen durch die abgeschmackten Dissonanzen, welche ihm für originell galten. Es ist endlich keine neue Beobachtung, daß der Tiefsinn und der Scherz unserer jüdischen Freunde echter Fröhlichkeit und des befreienden Humors häufig ermangeln. Aber wer darf sagen, daß voller Ausdruck schöner Empfindung ihrer nationalen Anlage versagt ist, da ihr hartes Erdenschicksal sie bis zur Gegenwart zwang, ihr ganzes kräftiges Gemüts-

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