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Im deutschen Reich · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. 162

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Der Streit über das Judentum
Date
1912-04-01
Page
162 (sequence 2)
Language
German
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162 Im deutsche'?. -Reich. bei. gewagten Börsengeschäften und einem großariigeu Geldwucher; sie haben auch diesen Ruhm an Christen abtreten müssen, es sind bei uns jetzt Fürsten und Häupter alter Land-Gentry, welche unsolide Geldgeschäfte protegieren, den Anternehmergewinn einziehen und Aktionäre durch ihren Namen verlocken; die Rothschilde sind beinahe auf das Niveau altfränkischer Geschäftsleute zurückgedrängt, und angesehene jüdische Firmen unserer Hauptstädte gehören zu den ehrbarsten Gegnern des modernen Aktienschwindels. In unserer Poesie und Literatur war an den. Nachtretern von Börne und Heine, eine Richtung zu bekämpfen, welche in dem Bestreben, witzig zu sein, frivol gegen die Kunst und unsere soziale Lebensordnung wurde; auch diese Verirrung einer schwachen und begehrlichen Zeit ist durch den politischen Ernst der Gegenwart überwunden. Cs sind jetzt (1869} ungefähr hundert Jahre her, seit Moses Mendelssohn in Berlin nur darum geduldet wurde, weil er im Manusakturgeschäft des reichen Schutzjuden und Seidensabrikanren Bernhard beschäftigt wurde, und wo Abba Glozk, der jüdische Philosoph aus Polen, aus der Landstraße vor Hunger umkam, weil ihn die orthodoxen Juden verflucht, gebannt, gegeißelt und seiner geschriebenen Werke beraubt hatten. Wer mit erhebendem Gefühl die Fortschritte unserer Nation in den letzten hundert Jahren betrachten will, der möge vor allem auf die Wandlungen blicken, welche unsere, jüdischen Mitbürger unter der befreienden Einwirkung moderner Bildung gemacht haben. Sie selbst haben jedes Recht, sich ihrer energischen Lebenskraft und Bildungssähigkeit zu freuen; auch wir dürfe?! mit einiger Befriedigung sagen, daß nur noch die letzten Aeberreste alter Traditionen und Intoleranz zu überwinden sind, um die Herzen und Geister der deutschen Juden völlig in unser Volkstum einzuschließen. Es ist natürlich, daß während dieser Aebergangszeit in ihrem Wesen hier und da noch Ausfallendes oder nicht Löbliches zutage kommt, und sie müssen es sich gefallen lassen, wenn solche Schwächen und Verkehrtheiten aus der Ansreiheit gelegentlich einmal mit oder ohne Laune als jüdische Eigentümlichkeiten besprochen werden. Wir werden freilich auch natürlich finden, wenn sie gegen solche Besprechung besonders empfänglich sind, denn sie ringen immer noch nach Sicherheit ihrer sozialen Stellung und fühlen immer noch die Nachwehen des harten Druckes, welcher zurzeit unserer Großvater aus ihnen lag. Die Juden haben auch in der Zeit ihrer Ansreiheit unserer Wissenschaft und Kunst unter sehr ungünstigen Verhältnissen eine merkwürdig große Zahl bedeutender Namen geliefert. Wenn wir nur bis aus Baruch Spinoza zurückölicken, wie lang die Reihe starker Talente aus khren alten Familien! Es ist nicht

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