Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 153 (sequence 8)
- Language
- German
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er c t n£ na d>r td)i e u. 153 der „Deutsches Tageszeitung" einen Wahlaufruf veröffentlichte, der unter dem Titel: „Ein Jude über die jüdische Politik" die Ehre hatte, in der „Staatsbürgerzeitung" aufgenonunen zu werden und als Flugblatt von den Antisemiten verteilt wurde. Herr Paul Lewin wendet sich, „obwohl Jude, vertrauensvoll an die „Deutsche Tageszeitung, deren gutes Herz" er entdeckte. Mit einer Fülle von Schlagworten und Gemeinplätzen eifert er gegen das Großkapital und vor allem die Warenhäuser, die es ihm angetan haben. Er kann sich nicht genug tun in der Schilderung der großen Gefahren, die dem Vaterlande von ihnen drohen und schließt sein Elaborat mit der Parole: Wider die kapitalistische Htzänenpolitik. Es lohnt sich gar nicht, ernsthaft auf dieses Machwerk einzugehen; wir wollen es nur niedriger hängen und einen Mann abschütteln, der den Antisemiten Handlangerdienste leistet. — Auf eine Anzeige im „Eberswalder Offertenblatt", durch die eine bedeutende Eisenwarenhandlung in Berlin einen erfahrenen branchekundigen ersten Mitarbeiter zum sofortigen Antritt suchte, hat sich ein Mitglied unseres Vereins gemeldet und von der G.m. b. H. Wilhelm Eschmann, Nitterstr. 111/113 den Bescheid erhalten, zuvor Zeugnisse usw. einzusenden. Der Schluß des Briefes lautet: „Vielleicht sagen Sie uns auch, welcher Konfession Sie angehören." Darauf erwiderte der Bewerber: „Es erscheint mir hinreichend, Ihnen mitzuteilen, daß ich Jude bin. Ich würde dies schon früher getan haben, wenn ich gewußt hätte, daß Sie wohl Wert auf interkonfessionelle Kundschaft, aber auf judenreines Personal legen. Ich erlaube mir, zu bemerken, daß ich als Einzelprokurist die kaufmännische Leitung einer hiesigen christlichen Eisenwarenfabrik in ungekündigter Stellung innehabe und nur auf einen entsprechenden Posten in Berlin reflektiere." — Der Leitung der Bade-Verwaltung Sellin auf R ü g e n haben wir mitgeteilt, wir seien von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht worden, daß das Seebad Sellin antisemitischen Charakter trage. Die Ankleidezellen des Herrenbades seien verschiedentlich mit antisemitischen Gedichten beschrieben, u. a. auch mit dem sogenannten „Borkumer Nationallied" besudelt . Darauf hat die Bade-Direktion am 17. Januar geantwortet: „Sellin trägt keinen antisemitischen Charakter; uns ist jeder Gast willkommen. Dem gerügten Rebelstand sind wir bereits entgegengetreten, so z. B. im vergangenen Sommer dadurch, daß wir das Beschreiben der Zellenwände durch Anschläge verboten und die vorhandenen Besudelungen entfernt haben."