Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Berlin
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 145 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 145 Beschäftigung, während in den kleinen Städten ihrer reiche Arbeit warte. Das Arbeitsamt geht von der Ansicht aus, daß das Landvolk sich vertrauensvoll an den jüdischen Rechtsanwalt und den jüdischen Arzt wendet, der nicht, wie der vom Ostmarkenverein berufene Kollege, aus öffentlichen Mitteln Unterstützung erhält, sondern sich lediglich durch tüchtige Leistungen emporzuarbeiten strebt. Wir halten das Vorgehen des Arbeitsamtes für jüdische Akademiker für dankenswert und hoffen, daß die Gemeinden den an sie gerichteten Fragen ein reiches Interesse entgegenbringen und nicht zögern werden, diese Fragen ausführlich zu beantworten. — Den AeltestenderKaufmannschaftvonBerlin hat der Handelsminister über die Behandlung jüdischer Handlungsreisender in Rußland mitgeteilt, daß die vor einiger Zeit veröffentlichte Verfügung des Polizeimeisters von Kiew, laut welcher die Beschränkung des Wohnrechtes ausländischer Juden innerhalb der Stadt Kiew aufgehoben wurde, zu Anrecht erfolgt sei. Es behält vielmehr auch in Zukunft bei den bisherigen Paßvorschriften sein Bewenden, wonach auch nur vorübergehend nach Kiew kommende fremde Staatsangehörige mosaischer Konfession ihren Aufenthalt ebenso wie die russischen Reisenden dieser Konfession lediglich in den Stadtteilen Lybed und Ploßki nehmen dürfen, falls ihnen nicht von seiten des zuständigen Ministeriums die Erlaubnis zum Wohnen auch in den übrigen Stadtvierteln erteilt worden ist. Die A e l t e st e n werden abermals ein gemeinsames V o r g e he n d e r R e gi e r u n g e n D e u t s ch l a n d s, F r a n kreichs, -Englands und der Vereinigten Staaten bei Rußland in dieser Frage anregen. Gingen, 12. Februar. Wie in so vielen anderen Wahlkreisen hat auch hier leider das Organ der Zentrumspartei — die „Mittelrh. Volkszeitung" — einen Ton angeschlagen, würdig dem der Herren Bruhn, Ahlwardt L Eo. an die Seite gestellt zu werden. Es vergeht kein Tag, wo dieses Blatt nicht in witzig seinsollender, meistens versteckter Weise Juden und Judentum verletzt und angreift, von den erbärmlichen, gehässigen Flugblättern vor der Reichstagswahl gar nicht zu reden. Sich von diesem, „Nächstenliebe" in des Wortes umgekehrter Bedeutung — pflegenden Blättchen beschimpfen zu lassen, hat die jüdische Bevölkerung Bingens keinerlei Anlaß gegeben; sie protestiert deshalb ganz entschieden gegen die perfiden Anrempelungen. — Uüxnbexg« 2. Februar. Zur Feier des Geburtstages des deutschen Kaisers hat im großen Rathaussaal zu Nürnberg ein Festmahl stattgefunden, bei dem der Oberbürgermeister Geheimrat v. S ch u h den Trinkspruch auf den Prinz-