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Im deutschen Reich · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. 106

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Article
M. H., Berlin
Date
1912-02-01
Page
106 (sequence 2)
Language
German
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106 Im deutschen Reich. träge irt dieser Form anqdünhiqt worden. Es ist dem Herrn Professor allerdings damit gelungen, volle Säle und gute Einnahmen zu bekommen und — was sich leider nicht leugnen läßt — auch lebhaften Beifall von einer Anzahl der zum größten Teil jüdischen Zuhörer. Sombart versichert, daß er der Iudenfrage unparteiisch gegenüberstehe, und er läßt es auch an einigen Komplimenten für die Bedeutung der Juden in der Kultur der Menschheit nicht fehlen. Aber wie er im Grunde seines Herzens denkt, insbesondere über die erste und unerläßliche Forderung der vollen G leichberech tigung, verrät sein Ausspruch: Die Staaten werden den Juden die Gleichberechtigung geben müssen, und die Juden werden den Takt haben müssen, v on dieser G lei chberechtigu n g kei nen G ebrauch zu machen. Diese Worte beweisen, daß der Herr Professor von dem Wesen der Gleichberechtigung keine Ahnung hat oder nicht haben will. Denn Gleichberechtigung, gewährt mit dem Vorbehalt, daß, ich davon keinen Gebrauch mache, ist eine Farce, ein Possenspiel, eine Verhöhnung. Ich verlange die volle Gleichberechtigung nicht als Geschenk und Gnade, sondern als ein Recht, das mit mir geboren ist, auf das ich nicht verzichten kann, ohne mich! selbst als minderwertig zu bezeichnen und mich zum Paria herabzuwürdigen.. And diesen so natürlichen Forderungen und Empfindungen, die nicht bloß, für einen Professor, sondern für jeden politisch Denkenden selbstverständlich sein müßten, tritt Sombart mit Witzen aus dem Metropoltheater entgegen — und jüdische Zuhörer klatschen ihm Beifall. Das ist der Gipfel der Bescheidenheit und Selbstlosigkeit) oder sollen wir sagen: Würdelosigkeit? — Sombarts wissenschaftliche Bedeutung, die Richtigkeit seiner Darlegungen über Kapitalismus und Judentum, wird hoffentlich recht bald von einem Fachmann beleuchtet werden^ Sache jüdischer Theologen wird es sein, die Richtigkeit seiner Talmudzitate zu prüfen. Sombart selbst hält sich freilich für einen Talmudkenner, weil er den Talmud zwei Fahre studiert habe. Diese Auffassung beweist nur, wie wenig Ahnung er von diesem Riesenwerke hat. Im Augenblick muß, es genügen, unsere Glaubensgenossen davor zu warnen, daß, sie sich durch ein wissenschaftliches Gewand und scheinbare Anparteilichkeit von einem Manne blenden lassen, dessen Ausspruch: „Die Juden sind unser Schicksal" in fataler Weise erinnert an das so unheilvoll ausgebeutete Wort eines anderen Professors: „Die Juden sind unser Anglück." G. 2t., Berlin. Der „Reichsbote" hat sich während der Wahlagitation zu einem förmlichen Antisemitenblatt entwickelt und über die seiner Meinung nach „jüdisch geleiteten

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