Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- Neustettin
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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>0 Im. deutschen Reich. Das Blatt schreibt: „lieber den antisemitischen Kandidaten Radziejewski, der es auf ganze 30 Stimmen brachte, erfahren wir, daß. er Fürstl. Lippescher Oekonomierat und Terrainspekulant in Berlin ist. Lin netter Mittelstandskandidat!" — Oerlinghausen (Lippe), 16. Januar. Der Viehhändler Julius Windmüller von hier hatte eine trächtige Kuh verkauft, die bald verendete, nachdem sie in den Besitz des Käufers übergegangen war. Ohne die Ursache zu kennen, meldete dieser bei der Behörde an, daß die Kuh infolge von Milzbrand verendet sei. Hätte sich diese Vermutung bestätigt, dann wären dem Käufer vier Fünftel des Wertes der Kuh von der Behörde gesetzmäßig erstattet worden. Die Untersuchung konnte aber die Vermutung nicht bestätigen. Fetzt kam der Käufer auf die Idee, sich an dem Viehhändler schadlos zu halten. In dem gegen diesen angestrengten Prozeß, behauptete er — ohne irgendwelcher Beweise — die Kuh sei von dem israelitischen Viehhändler auf dem Transport mißhandelt worden; gerade die israelitischen Viehhändler, so meinte des Klägers Rechtsbeistand, mißhandelten das Vieh aus dem Transport. Die wahre Todesursache ließ sich nun zwar nicht mehr feststellen; aber in der gutachtlichen Aeußerung des beamteten Tierarztes heißt es: „Ich habe in meiner langjährigen Praxis nie erfahren, daß ein israelitischer Viehhändler tragende Kühe mißhandelt hat. Im Gegenteil beobachte ich alle Tage, daß dieselben die trächtigen Tiere mit der größten Vorsicht behandeln." £§ Mannheim, 11. Januar. Bach einem Berichte des „Pfälzer Boten" hat Oberamtsrichter Diez in Heidelberg als Vorsitzender in einer Heidelberger Zentrumswahlversammlung vom 3. Januar unter anderem folgendes ausgeführt: „Wäre es nicht angebrachter, das deutsche Volk würde, statt gegen den eingebildeten Illtramontanismus anzustürmen, sich einmal gegen ba§ Vorbringen des semitischen Geistes zur Wehr setzen, welcher wie ein Pesthauch auf dem deutschen Lande liegt und die Jugend vergiftet." Mit Rücksicht darauf, daß Herr Diez am Schlüsse seiner Rede Windthorsts Namen heraufbeschwor, erinnert die Mannheimer „Neue Badische Landeszeitung" daran, daß Windthorst am 20. Nov. 1880 im preußischen Abgeordnetenhause dem Antisemitismus folgende Absage erteilt hat: „Erner der Hauptpunkte, worüber die Juden sich beklagen können, ist nach meinem Dafürhalten der, daß man, wenn ein einzelner.Jude oder eine Mehrzahl von Juden, ein Teil derselben etwas getan hat, was mit Recht gerügt werden muß, daß man dies verallgemeinert und generell hin stellt, als ob es die ganze Iudenschaft träfe. Das ist g r u n d v e r ke h r t und g rund verletzend. Wenn man Klagen über Einzelne oder über einen Teil hat, so soll man