Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Zur Geschichte der Wormser Gemeinde, ihrer Friedhöfe und ihres Begräbniswesens [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 60 (sequence 2)
- Language
- German
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60 Im, deutschen Reich. In dieser anläßlich der Eröffnung des neuen jüdischen Friedhofes in Worms erschienenen Gedenkschrift veröffentlicht Max-Levy eine Abhandlung „Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde von ihren Anfängen bis zum 19. Jahrhundert", S. Rothschild eine Beschreibung des alten jüdischen Friedhofes und des Begrabniswesens im 19. Jahrhundert, Stadtbaurat Harry Metzler die neue Friedhofsanlage. Die mit Karten und Illustrationen ausgestattete Schrift liefert einen wertvollen Beitrag zur Geschichte einer uralten jüdischen Gemeinde. * Vermischtes. Zum Rassen-Kongretz in London 19kl. In der Besprechung, die der bekannte Berliner Gelehrte Professor von Luschan dem Kongreß, widmet, finden sich interessante Hinweise auf die Stellungnahme dieses Universitätslehrers zur Iudenfrage. Er führt aus, wie die Nasse Veränderungen durch die Umwelt erfahren kann, besonders durch Handel und Verkehr mit ihrem fortdauernden Austausch von Erfindungen und Entdeckungen. „In Rassenfragen ist vor allem -anderen zunächst Toleranz nötig." Er polemisiert gegen den englischen Gelehrten Spiller, der die Intoleranz der Europäer untereinander nicht genügend gekennzeichnet und vergessen habe, wie viele Katholiken ihren Kirchhof für entweiht halten, wenn ein Protestant auf ihm begraben wird; er habe die grausamen Judenverfolgungen in Rußland vergessen und die von Jahr zu Jahr zunehmende Zahl der Mischheiraten nicht berücksichtigt. Zum Begriff der jüdischen Rasse bemerkt von Luschan: „Nun kann man nicht von einer jüdischen R a ss e reden, sondern nur von einer jüdischen Religions^Genossenschast, deren Angehörige zum größeren Teile aus Nachkommen semitisierter, aber der Rasse nach nichtsemitischer Vorderasiaten bestehen." Der Gelehrte fügt hinzu, daß „wir anderen Europäer oder doch mindestens die meisten gebildeten Europäer die Juden durchaus als unsersgleichen betrachten und einen Rassenunterschied zwischen ihnen und uns nicht anerkennen."