Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Dresden
- Date
- 1911-12-01
- Page
- 717 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachtrag. 717 Nachtrag. Dresden, 26. November. Seit dem Tode des Vorstehers der hiesigen Religionsgemeinde, Emil Lehmann, also seit 12 Jahren, ist hier kein Jude mehr zum Stadtverordneten gewählt worden. Bei der diesmaligen Wahl wurde der Sohn Emil Lehmanns, Rechtsanwalt I o h a n n e s L e h m a n n, zum S t a d t v e r o r d n e t e n und der gegenwartige Präsident der Fraternitas-Loge, >E m i l P i t s ch , zum Ersatzm a n lt gewählt. * — Aus Stuttgart wird uns geschrieben: „In der Nr. 45 der „Ärztlichen Mitteilungen" sucht die C h a r l o t t e n Heilanstalt für Augenkranke einen Assistenten und verlangt Angaben der Konfession. Es ist dies die übliche Form, jüdische Bewerber auszuschließen. Interessant ist aber die Tatsache, daß die betr. Augenheilanstalt von einem Juden, dem verstorbenen Professor König s höser gegründet wurde: Königshöfer war freilich später aus dem Judentum ausgetreten, aber solange er lebte, hat der Berein Charlottenheilanstalt jüdische A s s i - stenten ebenso gut angestellt wie christliche. Wir glauben nicht, daß die jüdischen Vereinsmitglieder ihre Jahresbeiträge eingestellt haben, die Vereinsleitung dagegen hat offenbar die Gerechtigkeit eingestellt. Den leitenden Arzt Dr. Weigelin, der seine Sprechstunden im jüdischen Gemeindehaus abhält — die Gemeinde hat beim Bau dieses Hauses eigens ein Untersuchungszimmer nach Königshösers Angaben Herstellen lassen — hätte schon die schuldige Pietät gegen seinen früheren Chef abhalten müssen, seinen Namen unter ein solches Ausschreiben zu setzen."